Bahn-Pläne für ICE-Trasse

Streckensperrung zwischen Kassel und Hannover: Bestätigung der Bahn

Kassel/Göttingen. Eine vollständige Sperrung der ICE-Trasse Kassel-Hannover für zwei Wochen wegen Bauarbeiten wurde von der Deutschen Bahn bestätigt. Am Donnerstagabend kam eine Pressemitteilung, die Licht ins Dunkel brachte.

Aktualisiert um 20.55 Uhr

Die Pressemitteilung trägt den Titel: "Zweiwöchige Sperrung aufgrund von Bauarbeiten auf der Schnellfahrstrecke zwischen Hannover und Kassel". Demnach wird es offensichtlich zu einer Sperrung kommen. Vom 23. April bis 8. Mai will die Bahn auf der Schnellfahrstrecke zwischen Hannover und Kassel rund 130.000 Tonnen Schotter erneuern. Wegen der hohen Beanspruchung der Strecke sei die Schottererneuerung erforderlich.

In der Mitteilung erklärt die Bahn: "Die Bahn wird die Auswirkungen für ihre Kunden so gering wie möglich halten und im Fernverkehr während der zweiwöchigen Sperrung über 90 Prozent der planmäßigen Kapazitäten anbieten. Auch der Messehalt in Hannover wird in dieser Zeit weiter bedient."

Folgende Linien des Fernverkehrs werden betroffen sein: 

 

ICE Linien 11 Berlin—Kassel—Frankfurt—Stuttgart—München, 12 Berlin—Kassel—Frankfurt—Karlsruhe—Schweiz,

20/22 Hamburg—Hannover—Kassel—Frankfurt—Karlsruhe—Schweiz/Stuttgart,

25 Hamburg/Bremen—Hannover—Würzburg—Nürnberg/Augsburg—München und IC-Linie 26 Hamburg—Hannover—Kassel—Gießen—Frankfurt—Karlsruhe.

Es kommt zu Fahrzeitverlängerungen bis zu einer Stunde sowie teilweise zu Haltausfällen, Umleitungen und vereinzelten Zugausfällen. Im Nahverkehr sollen bei DB Regio auch einzelne Linien mit Ausfällen auf Teilabschnitten betroffen sein.

Inzwischen wurden auch folgende Kulanzregelungen via Pressemitteilung bekannt: 

*Kunden mit einer ICE- oder IC-Zeitkarte im Abo werden aktiv von der DB angesprochen und erhalten eine Teilerstattung.

*Kunden mit einer BahnCard 100 werden gebeten, sich für die Kulanzregelung beim BahnCard-Service zu melden.

*Zeitkarteninhaber mit IC-Berechtigung können zudem ohne Aufpreis die ICE-Züge nutzen. Schon bezahlte Flex- und Sparpreistickets sowie Reservierungen werden kostenlos erstattet.

*Für die bisher gekauften Sparpreistickets wird die Zugbindung aufgehoben.

Verwirrung wegen Sperrung war groß

Die Sperrung der Bahnstrecke zwischen Kassel und Hannover sorgte für große Verwirrung. Ein Bahnsprecher wollte am frühen Donnerstagabend auf HNA-Anfrage eine Sperrung vorerst weder ausschließen noch bestätigen. Es sei eine Möglichkeit, aber nicht die einzige. "Wir arbeiten im Moment an einem Konzept, um den Sanierungsbedarf zu beheben", hieß es.

Möglicherweise könnte man die Arbeiten auch entzerren und auf mehrere Wochenenden verteilen oder auf Teilsperrungen ausweichen. Über die konkreten Pläne soll erst in den nächsten Tagen informiert werden.

Die Süddeutsche Zeitung hatte Mittwochabend berichtet, dass der komplette Abschnitt Kassel-Hannover ab Ende April für zwei Wochen dicht gemacht wird. Klar ist aber so oder so, dass es auf der Nord-Süd-Trasse in diesem Jahr zu umfangreichen Bauarbeiten kommen wird. Das Dementi hat die Bahn auf der offiziellen Twitter-Seite des Unternehmens publiziert.

Ursprüngliche Meldung

Bahnkunden müssen sich auf erhebliche Einschränkungen auf der Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Hannover einstellen. Nach Angaben der Bahn sei dort eine umfangreiche Streckensanierung geplant, teilte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) am Donnerstag auf Anfrage mit. Die Bahn wollte sich im Laufe des Tages dazu äußern. Wieso die bisherigen Berichte von Kassel und das EBA von Göttingen als Ausgangs-/Endpunkt der betroffenen Trasse sprechen, ließ sich trotz mehrerer Anfragen noch nicht zweifelsfrei klären.

Bei einer Sperrung der Neubaustrecke zwischen Kassel, Göttingen und Hannover müssen die Züge über eine andere Strecken fahren.

Dazu muss der Zug von der 1991 eröffneten Neubaustrecke auf die alte Strecke übergeleitet werden. Möglichkeiten dazu gibt es in Kassel-Wilhelmshöhe, Fuldatal-Ihringshausen, Göttingen, Nörten-Hardenberg, Edesheim bei Northeim und südlich von Hannover.

Infos im Regiowiki:

- Die Neubaustrecke

- Die alte Strecke

Durch die Umleitung über die alte Strecke verlängern sich die Fahrzeiten deutlich. Am meisten macht sich dies zwischen Kassel und Göttingen bemerkbar. Normalerweise braucht der ICE knapp 20 Minuten für die 45 Kilometer lange Fahrt zwischen den beiden Oberzentren. Wenn die Züge über Hann. Münden, Witzenhausen Nord und Eichenberg fahren müssen, so brauchen sie etwa 50 Minuten für die 58 Kilometer lange Strecke, also 30 Minuten mehr. Hintergrund: Auf der alten Strecke sind keine hohen Geschwindigkeiten möglich.

Die Strecke zwischen Göttingen und Hannover schafft ein ICE über die Neubaustrecke (99 Kilometer) in 35 Minuten. Wenn er über Kreiensen, Alfeld und Nordstemmen (108 Kilometer) umgeleitet wird, so wird daraus etwa eine Stunde Fahrzeit, also noch einmal etwa 30 Minuten mehr. Auch dort kann der ICE nicht so schnell wie auf der Neubaustrecke unterwegs sein.

Bei einer Sperrung der kompletten Strecke zwischen Kassel und Hannover verlängert sich also die Fahrzeit von derzeit eine auf etwa zwei Stunden. Das ist übrigens immer noch schneller, als die meisten Fernbusse für die Strecke benötigen. Sie brauchen in der Regel zweieinhalb Stunden.

Bei den Bauarbeiten soll es laut Meldung der Süddeutschen Zeitung um sogenannten Schotteroberbau gehen, auf dem Schwellen und Gleise liegen. Wer zwischen München und Hamburg oder Frankfurt und Berlin unterwegs ist, nutzt oftmals die Verbindung zwischen Hannover und Kassel.

Fernbusse bieten eine günstige Alternative

Wenn der ICE-Streckenabschnitt zwischen Kassel und Hannover gesperrt ist, gibt es als Alternative zur Bahn die Fernbusverbindungen von und nach Kassel mit Halt in Göttingen. Anbieter in Richtung Hannover, Hamburg und Berlin sind Megabus, Postbus und Flixbus. Beispielhaft haben wir Verbindungen für eine Abreise am Samstag, 23. April (erster Tag der Sperrung), und eine Rückreise am 24. April auf www.fernbusse.de ermittelt.

Ab Kassel nach Hannover:

• billigster Preis: drei Euro (Megabus)

• Durchschnitt: 8,80 Euro

• Busverbindungen: 13

• schnellste Fahrzeit: 2 Stunden 10 Minuten

Ab Hannover nach Kassel:

• billigster Preis: drei Euro (Megabus)

• Durchschnitt: 7,70 Euro

• Busverbindungen: 11

• schnellste Fahrzeit: 2 Stunden 10 Minuten

Ab Kassel nach Berlin:

• billigster Preis: 18 Euro (Flixbus)

• Durchschnitt: 21 Euro

• Busverbindungen: 26

• schnellste Fahrzeit: 5 Stunden 5 Minuten

Ab Berlin nach Kassel:

• billigster Preis: 14 Euro (Postbus)

• Durchschnitt: 24,20 Euro

• Busverbindungen: 33

• schnellste Fahrzeit: 5 Stunden 5 Minuten

Ab Kassel nach Hamburg:

• billigster Preis: fünf Euro (Postbus)

• Durchschnitt: 9,70 Euro

• Busverbindungen: 11

• schnellste Fahrzeit: 3 Stunden 30 Minuten

Ab Hamburg nach Kassel:

• billigster Preis: fünf Euro (Postbus)

• Durchschnitt: 12,10 Euro

• Verbindungen: 14

• schnellste Fahrzeit: 3 Stunden 25 Minuten. (aha)

Rubriklistenbild: © dpa

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