Vertrag mit Esoterik-Heilern

Organisation will in Kassel für riskante Wundermittel werben

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Die Website von Spirit of Health: Ín Kassel soll es im April eine Veranstaltung geben, die für umstrittene und vermeintliche Wundermittel wirbt.

Kassel. Auf einem Kongress in der Stadthalle soll für ein gefährliches Wundermittel Werbung gemacht werden. Dieses richtet Schaden an, statt Betroffenen zu helfen.

Das Mittel heißt MMS und soll angeblich gegen Krebs, Aids, Autismus und andere Leiden helfen. Fachleute warnen aber: Die Einnahme von MMS, einer ätzenden Chemikalie, kann gefährliche Gesundheitsfolgen haben.

Die Stadt Kassel hat die Stadthalle an die MMS-Propagandisten vermietet. Dahinter sollen Ex-Scientologen stecken. Das für Gesundheitsangelegenheiten in Hessen zuständige Regierungspräsidium Darmstadt fordert die Stadt Kassel inzwischen zu Gegemaßnahmen auf. Und auch das Kasseler Gesundheitsamt warnt vor MMS.

Für das Rathaus gibt es derzeit allerdings „rechtlich weder Anlass noch Möglichkeit“, den rechtsgültigen Vertrag mit den Esoterik-Heilern zu kündigen, sagte ein Sprecher. Die Veranstalter des „Spirit of Health“-Kongresses hätten im Sommer 2014 für die dreitägige Veranstaltung unterschrieben.

Ein erster Kongress 2014 in Hannover war von Protesten begleitet gewesen. Das gefährliche Mittel nennt sich „Miracle Mineral Supplement“ (Wunder-Mineralien-Ergänzung). In dubiosen Online-Shops blüht der Handel. Wenn die Käufer zwei Stoffe vermischen, entsteht das Textilbleichmittel Chlordioxid. Damit werden zum Beispiel Kindern Einläufe verpasst, die gegen Autismus helfen sollen. Tatsächlich wirkt das Mittel ätzend, die Folgen reichen Experten zufolge von Erbrechen bis zu schweren Nierenfunktionsstörungen.

Die Stadt sagte, sie betrachte Werbung für MMS als ungesetzlich. Die Zuständigkeit als Überwachungsbehörde liege jedoch beim RP Darmstadt. Kassel Marketing habe sich vor Vertragsabschluss zwar in Hannover informiert, um Inhalte sei es dabei aber nicht gegangen. Man werde die Veranstalter „darauf hinweisen, die vertragsgemäß geltenden gesetzlichen Vorschriften zu befolgen“. 

Von Axel Schwarz

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