Vier Monate lang ausgebildet

Spürhund Bono findet Handys in Kasseler Gefängnis

Kassel. Die wenigsten Handybesitzer werden wohl wissen, dass ihre Telefone ausdünsten und einen ganz speziellen Geruch haben.

In der hessischen Justiz wird dieser Umstand seit April genutzt, um illegale Handys in Gefängnissen aufzuspüren.

Dafür wurde Bono, ein zwei Jahre alter Belgischer Schäferhund, ausgebildet. Am Freitag stellte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann den Handyspürhund Bono und seinen Hundeführer Florian Gimbel, Hauptsekretär im Justizvollzugsdienst in der JVA Kassel I in Wehlheiden, vor. Das ist nämlich die Heimdienststelle von Gimbel. Von hier aus reist er mit Bono und seiner Drogenspürhündin Layla in alle 16 hessischen Justizvollzugsanstalten, um Drogen beziehungsweise Handys zu finden. Neben Layla gibt es fünf weitere Drogenspürhunde, die Dienst hinter Gittern haben.

Durchsuchung einer Zelle im Flügel B der JVA Kassel I: Bono führte Florian Gimbel zu dem Kühlschrank, unter dem zuvor ein Handy versteckt worden war. Fotos:  Malmus

In dem Gefängnis in Wehlheiden seien im vergangenen Jahr 15 Handys in Zellen beziehungsweise in den Werkstätten entdeckt worden, sagt Jörg-Uwe Meister, Leiter der JVA Kassel I. Mit Handys im Besitz von Gefangenen drohe die Beeinflussung von nicht abgeschlossenen Strafverfahren, indem Zeugen unter Druck gesetzt werden können, der Drogenhandel beziehungsweise der Aufbau von extremistischen Organisationen hinter Gittern würde erleichtert, Fluchthelfer könnten kontaktiert werden und es bestehe Zugang zu Internet, Darknet beziehungsweise den sozialen Netzwerken. „Von daher sind Handys bei uns ein No-Go“, so Meister. Bono habe in der Kasseler Anstalt seit April bereits ein Handy entdeckt.

Der Einsatz des Handyspürhunds sei ein Pilotprojekt, so Kühne-Hörmann. „Unsere ersten Erfahrungen im Einsatz waren positiv. Wir werden jetzt schauen, wie sich der Handyspürhund in der Praxis bewährt.“ Ziel sei es, eine unkontrollierte Kommunikation von Inhaftierten mit der Außenwelt zu unterbinden.

Medienrummel: Justizministerin Eva Kühne-Hörmann stellte den ersten Handyspürhund in Hessen vor.

Mit viel Medienrummel stellten Bono und sein Herrchen am Freitag ihr Können unter Beweis. Innerhalb kurzer Zeit entdeckte Bono in einer Werkstatt ein unter einem Hubwagen verstecktes Handy. Es dauerte auch nicht lange, bis er ein Handy unter einem Kühlschrank in einer Zelle fand. Wenn Bono ein Handy erschnüffelt, dann zeige seine Nase in die Richtung und sein Körper „friere“ ein, sagt Gimbel. Das heißt, dass Bono sich dann nicht mehr bewegt. Der Handygeruch muss einzigartig sein. Bono laufe keine Gefahr, auf Küchengeräte, Fernseher oder beispielsweise Fernbedienungen anzuschlagen, sagt Gimbel.

Bono wurde von Januar bis April dieses Jahres an der Polizeihundeführerschule Sachsen-Anhalt ausgebildet, Handys und Handypräparate zu erschnüffeln. Die findet er in Autos, Räumen, Erdverstecken, aber auch an Kleidung, in Socken und in Unterhosen. Hierzu sei Bono auf Li-Ionen-Akkus, Handys mit und ohne Akku, Smartphones und SIM-Karten konditioniert worden.

In Sachsen-Anhalt gab es übrigens den bundesweit ersten Handyspürhund. Mittlerweile gibt es solch auf Mobiltelefone spezialisierte Schnüffler neben Hessen auch in Niedersachsen und Sachsen.

Handyspürhund Bono in Kassel vorgestellt

Hintergrund: Handyspürhund

Handyspürhunde arbeiten „frequenzunabhängig“, da sie auf Geruchsstoffe der Hardwarekomponenten in den Handys konditioniert werden; die Handyfrequenzen ändern sich ständig beziehungsweise werden erweitert, sodass man gezwungen ist, die Geräte, die zum Auffinden der Handys verwendet werden („Mobi-Finder“) immer wieder auszutauschen. Die Hunde sind - anders als die „Mobi-Finder“ - in der Lage, auch ausgeschaltete Handys zu finden. Ferner können sie Handyverstecke schneller als die „Mobi-Finder“ lokalisieren.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.