Kassel ist wild geworden: Auf den Spuren von Tieren in der Stadt

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Zwei Bergparkbesucher und ein Einheimischer: Im Wilhelmshöher Park tummeln sich etliche Waschbären, die vor 82 Jahren in der Region angesiedelt wurden.

Kassel. Als die Tiere den Wald verließen ist nicht nur der Titel einer erfolgreichen Zeichentrickserie, sondern Realität. Immer stärker erobern Wildtiere städtische Lebensräume. 

Denn dort finden sie Futter, Schutz und Wärme. Da bildet Kassel keine Ausnahme. Seit 80 Jahren ist der aus Amerika importierte Waschbär hier zu Hause. Zwei Kasseler Fotografen sind Wildtieren in Kassel auf der Spur und bitten um Hinweise aus der Bevölkerung.

Ob das Eichhörnchen im Innenhof, das Entenpaar auf dem Balkon, der Eisvogel in der Aue oder das Hermelin im Kleingarten: Die Naturfotografen Anja Gieseler und Gerhard Müsch dokumentieren Wildtiere, die ihren angestammten Lebensraum verlassen haben, um in der Stadt und in deren Speckgürtel glücklich zu werden.

Kirchditmolder Garten statt Wald: Eine Fuchsfamilie zog ihre Jungen in Nachbarschaft zu den Anwohnern groß.

Es gebe viele Filme über das wilde Berlin, wilde Wien und wilde London, warum solle es nicht auch ein wildes Kassel geben, fragte sich Fotografin Gieseler. So gründete sie mit Müsch das Fotoprojekt. Mit Flyern rufen sie derzeit die Kasseler auf, Wildtiersichtungen in der Stadt und den Randbereichen bei ihnen zu melden.

Kassel biete den Tieren dank seiner vielen Parks, dem Buga-Gelände und der Dönche viele geeignete Flächen. Aber auch die Kleingärten und Stadtränder seien bei den Wildtieren beliebt. So konnten die Fotografen etwa eine Fuchsfamilie in einem Kirchditmolder Garten ablichten, Wildschweine in Bad Wilhelmshöhe, Rehe in der Dönche und ein Waldohreulenpaar in einer Vellmarer Wohnsiedlung. Dabei haben sie es auch auf Lebewesen abgesehen, die einen weniger guten Ruf genießen: So gelang es etwa, eine Ratte im Stadtteil Wolfsanger einzufangen.

Stadtbewohner: Waldohreule in Vellmarer Wohnsiedlung.

„Uns interessiert besonders, wie die Wildtiere sich in der eigentlich nicht artgerechten städtischen Umgebung einrichten“, sagt Müsch. Als Tierfotograf wisse er, wie man sich in der Natur gut tarnt, Tierfotos in der Stadt zu machen, sei eine ganz neue Herausforderung. So ist er bislang daran gescheitert, den an der Fulda gesichteten Biber zu fotografieren. Und das, obwohl er in dessen Revier nachts schon viele Stunden ausgeharrt hat. „Mein Ziel ist es, den Biber mit dem Kraftwerk im Hintergrund zu erwischen“, sagt Müsch.

Ausgesetzte Tiere

In der Buga sind die Fotografen dafür schon häufig erfolgreich gewesen. Nordhessische Raritäten aus der Vogelwelt wie das Thorshühnchen, den Prachttaucher und einen großen Möwenschwarm bekamen sie schon vor die Linse. Der Hobbyornithologe Jens Voß hält an der Buga die Augen für die Naturfotografen offen. Auch im Buga-See ausgesetzte Schildkröten und ein Piranha sind dokumentiert. Der Piranha war einem Angler ins Netz gegangen. Ziel ist es, die Fotosammlung bei einem Fotovortrag der Öffentlichkeit vorzustellen.

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