Zahl hat sich seit dem EU-Beitritt Bulgariens verzehnfacht

Die Stadt Kassel ist eine Hochburg für Bulgaren

Holländische Straße in der Nordstadt (Archiv): Neben Rothenditmold der Stadtteil, wo der Zuzug von Bulgaren in Kassel am stärksten ist.

Kassel. Kassel ist zu einer Hochburg für Bulgaren geworden. Derzeit leben rund 1800 Bulgaren hier – fast so viele Menschen wie Flüchtlinge in Zweitaufnahme-Einrichtungen der Stadt.

Dort sind es 1950 Menschen.

In den Jahren von 2010 bis 2014 hat sich laut Zukunftsbüro die Zahl der Zuwanderer aus europäischen Staaten in Kassel von 6661 auf 9239 um mehr als ein Drittel erhöht. Dabei handelt es sich in größerer Zahl als anderswo um Menschen aus Bulgarien und vorwiegend um Roma. Ihre Zahl lag bereits im Jahr 2012 bei 1800. Damit hatte sich in Kassel die Zahl der Bulgaren seit dem EU-Beitritt des Landes 2007 verzehnfacht. In Offenbach, wo es ebenfalls viele europäische Zuwanderer gibt, sind es vorwiegend Rumänen.

In Kassel ist vor allem in der Nordstadt und in Rothenditmold der Zuzug spürbar. Nach Feststellung des Deutschen Städtetags sind die wenigsten Roma beruflich qualifiziert, sie verfügen über geringe Bildung und kaum Sprachkenntnisse. Ein Problem ist nach Ansicht von Experten die Tatsache, dass viele Roma kein Verhältnis zum Eigentum hätten.

Ein Grund hierfür: In ihren Herkunftsländern ist ihnen der Zugang zu vielen Berufen verwehrt. Probleme gebe es auch bei der gesundheitlichen Versorgung, weil kein ausreichender Versicherungsschutz vorhanden sei. Jetzt gibt es für Kasseler Integrationsprojekte für Bulgaren und andere Osteuropäer Geld. Die Europäische Union stellt ab 1. Januar für drei Jahre 377 700 Euro zur Verfügung, der Bund steuert 44 000 Euro bei. Finanziert werden Angebote des Kulturzentrums Schlachthof und Frauentreffs Brückenhof.

„Die Menschen aus Bulgarien sind besonders benachteiligt“, sagt Ulla Wegener vom Schlachthof: „Sie haben Reisefreiheit, aber keinen Zugang zu den Hilfesystemen. Diese Menschen sind außen vor.“ Zum Glück sei das Bewusstsein für diese Problematik hierzulande gewachsen.

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