Katholiken vermissen christliche Werte

Stadt Kassel: In Kitas spielt Weihnachten eine Rolle

Kassel. Nach der Kritik von Eltern, im städtischen Kindergarten Sara-Nussbaum-Haus im Wesertor falle Weihnachten regelmäßig aus, gab es zahlreiche Reaktionen.

Während die Kinder- und Jugenddezernentin Anne Janz (Grüne) die städtischen Kitas gegen diese Kritik verteidigte, meldete sich auch die katholische Kirche in Kassel zu Wort. Dort wird schon länger beobachtet, dass christliche Werte in den öffentlichen Kitas kaum noch eine Rolle spielten.

Dezernentin Janz nannte es bedauerlich, dass sich die Eltern mit ihren Beschwerden nicht direkt an den Elternbeirat gewandt haben. Dieser könne mit der Kita-Leitung das Gespräch suchen. „Wenn Eltern nicht offen ihre Probleme ansprechen, fehlt offenbar das Vertrauensverhältnis. Daran müssen wir zusammen mit den Eltern arbeiten. Ich kann alle Eltern nur auffordern: Wenn es Probleme gibt, wenden Sie sich an die Kita-Leitung oder die Beiräte.“

Inhaltlich wies Janz die Behauptung zurück, christliche Feste würden in städtischen Kita ignoriert, um vermeintliche Konflikte mit Eltern von Kindern anderer Kulturen zu vermeiden. „Sicher ist: Auch in unseren städtischen Kitas vermitteln wir die zentralen Werte unserer christlich-abendländischen Kultur.“ Die Dezernentin wolle nun aber nochmal im Jugendhilfeausschuss diskutieren und mit den Kita-Leitungen das Gespräch suchen.

„Eltern haben die Wahl“

Wir sprachen mit der Kinder- und Jugenddezernentin Anne Janz (Grüne) über christliche Feste in städtischen Kitas.

Was sagen Sie zur Beschwerde, Weihnachten falle in der Sara-Nussbaum-Kita aus? 

Jugenddezernentin Anne Janz über christliche Feste in städtischen Kitas

Anne Janz: Eltern haben in Kassel die Wahl: Wir bieten 10.500 Betreuungsplätze in unterschiedlicher Trägerschaft an. Aus diesem vielfältigen Angebot kann sich jeder aussuchen, welches Konzept zu seiner weltanschaulichen oder religiösen Sicht passt. Wir orientieren uns bei den städtischen Kitas – wie alle anderen Kitas auch – am hessischen Bildungs- und Erziehungsplan. Dieser sieht vor, dass wir keine religiöse Unterweisung betreiben, aber sehr wohl unsere Werte wie Solidarität, Nächstenliebe, Teilen und Gerechtigkeit thematisieren.

Diese christlichen Werte sind im Übrigen Bestandteil aller großen Weltreligionen. In jeder städtischen Kita wird die Adventszeit besonders gestaltet, etwa mit entsprechendem Schmuck oder einer Nikolausfeier. In welcher Ausprägung das geschieht, ist individuell.

Was ist mit christlichen Festen wie St. Martin oder Ostern? 

Janz: Auch diese spielen eine Rolle. St. Martin heißt zwar in den städtischen Kitas Laternen- oder Lichterfest – übrigens seit mehr als 25 Jahren. Dennoch wird die Geschichte von St. Martin erzählt. In keinem Fall wollen wir die Feste entreligiösieren.

Sind die Erzieherinnen aufgefordert, den Tausch von Pausenbroten zu unterbinden, um muslimische Kinder vor Schweinfleisch zu bewahren? 

Janz: Die Erzieherinnen haben ein Auge darauf. Es geht uns dabei aber eher darum, dass wir gerade muslimische Kinder vor Konflikten mit ihren Eltern bewahren wollen. Bei der Mittagsverpflegung bieten einige Kitas mit hohem Anteil von muslimischen Kindern kein Schweinefleisch an. Dies liegt schlicht daran, dass Schweinefleisch dort nicht nachgefragt wird.

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