An der Schlossäckerstraße in Kirchditmold erschließt die Stadt neues Baugebiet

154 Bäume fallen in Kassel: Protest wegen Kahlschlags

154 Bäume fallen in Kassel: Protest wegen Kahlschlags
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154 Bäume fallen in Kassel: Protest wegen Kahlschlags

Kassel. Viele Jahrzehnte lang genossen die Anwohner der Schlossäckerstraße in Kirchditmold ihren Grünzug entlang des Bahndamms direkt vor der Haustür.

Dort gibt es einen parkähnlichen Erlebnisbereich mit 160 Bäumen und vielen Sträuchern, den alle Altersgruppen im Quartier nutzen - allen voran die Kinder.

Doch damit ist bald Schluss. Denn die Stadt Kassel will dort, wo mehr als 30 Jahre alte Bäume wie Ahorn, Weide, Birke, Haselnuss, Kiefer, Lärche, Pappel und Tanne sowie viele Sträucher sich ein Stelldichein geben und seltene Vogelarten zwitschern, 15 neue Bauplätze und Straßen erschließen. Nächste Woche soll mit den Baumfällarbeiten begonnen werden. Von dem reichen Baumbestand bleiben lediglich sechs Bäume übrig.

Eine Anwohnerinitiative aus dem Quartier kritisiert den Kahlschlag und hat Widerspruch gegen den Bebauungsplan eingelegt. Wilfried Waldmann, Sprecher der Initiative, versteht die Eile nicht, mit der die Stadt das zwei Hektar große Areal rodet. Denn die Stadtverordnetenversammlung hat dem Bebauungsplan noch gar nicht zugestimmt.

Erst im Juni soll der Punkt auf die Tagesordnung kommen. Die FDP-Fraktion fordert, dass ohne rechtskräftigen Bebauungsplan nicht gerodet werden solle. Die Anwohner bitten die Stadtverordneten, den Plan zu überdenken. Auch die Interessen der im Wohngebiet lebenden Kinder seien nicht ausreichend berücksichtigt.

Die Initiative favorisiert den naturhaften Spielbereich am Wendehammer der Schlossäckerstraße. Vorbereitende Arbeiten für die Erschließung könnten laut dem Baugesetzbuch vorab vorgenommen werden, sagte Stadt-Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg. Damit die Bebauung nicht verzögert wird, solle die Rodung noch im Frühjahr stattfinden.

Der nächste Zeitpunkt wäre der Oktober. Im Übrigen würden Bäume wieder neu gepflanzt werden. Für die Sicherheit der künftigen Bauherren sei auch die Suche nach Bombenblindgängern und Kampfmitteln aus dem letzten Weltkrieg wichtig. Die Grundstücke des künftigen Baugebiets müssten deswegen vollständig geräumt werden.

Doch wegen der Bombensuche müsse keinem Baum nur ein Blatt gekrümmt werden, kritisieren die Anwohner und fühlen sich von der Stadt belogen. „Wir haben der Stadt Kassel nur gesagt, dass wir nicht ausschließen können, dass es dort Blindgänger gibt“, sagte Pressesprecher Gerhard Müller vom für den Kampfmittelräumdienst zuständigen RP Darmstadt. Für das Sondieren des Bodens sei allenfalls eine Auslichtung der Büsche und Sträucher notwendig.