Viele empfinden die Sachbeschädigung als Lappalie

Graffiti-Ermittlerin: Sprayern geht es um Ruhm

Auffällig: Das Graffiti wurde an einer Fassade an der Friedrich-Ebert-Straße vor wenigen Monaten gesprayt. Foto:  Fischer

Kassel. „So wie Sie reagieren alle Leute, denen ich das Graffiti bisher gezeigt habe. Jeder fragt sich, wie hat er das denn bloß gemacht. Und denkt Wow.“ Polizeioberkommissarin Sylvia Paar zeigt ein Foto von einem Haus an der Friedrich-Ebert-Straße. An einer Giebelwand ist vor wenigen Monaten ein großes Graffiti aufgesprüht worden.

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Der Verursacher muss auf das Dach des Nachbargebäudes geklettert sein, um die Farbe auf die Wand aufzubringen. Niemand hat ihn offenbar dabei bemerkt – obwohl die Friedrich-Ebert-Straße stark befahren ist. Es wird voraussichtlich mehrere tausend Euro kosten, den Putz auf der Fassade zu erneuern. Wahrscheinlich muss die Wand eingerüstet werden.

Die Sprayer, die in Kassel pro Jahr mehrere hunderttausend Euro Schaden verursachen, „möchten Fame, also Berühmtheit, in der Szene erlangen“, erklärt die Polizeioberkommissarin die Motivation der Täter. Wer ein Graffiti an einer schwierigen und auffälligen Stelle platziere, gewinne Ansehen. Zudem sei das auch eine Art Mutprobe.

Sylvia Paar

Laut Paar gibt es in Kassel bis zu 25 Sprayer, denen es nicht reiche, die sechs legalen Graffiti-Flächen im Stadtgebiet zu nutzen. Die Betroffenen, die meist zwischen 14 und 18 Jahre alt sind, beschädigten Fassaden, um einen Kick zu bekommen. Die AG Graffiti habe allerdings auch schon zwölfjährige Täter mit der Farbdose erwischt.

„Die Jugendlichen wissen meist gar nicht, dass sie eine Straftat begangen haben“, sagt Paar. Wenn Sprayer erwischt würden, dann wunderten sie sich mitunter darüber, dass die Polizei das „ganze Programm“ abziehe: Die Eltern würden informiert, die Wohnung durchsucht, Fingerabdrücke genommen.

Die Sprayer empfänden ihr Tun oft nur als Lappalie, aber nicht als Straftat. Dabei verursachten Täter beziehungsweise einzelne Gruppen Schäden, die in die Hunderttausende gehen. Die meisten illegalen Graffiti würden dort gesprüht, wo die Jugendlichen wohnten - auf dem Weg zur Schule.

Graffiti-Fotos

Graffiti-Schmierereien ärgern Hauseigentümer

Im Frühjahr und Sommer werde die Zahl der Taten erfahrungsgemäß steigen, sagt die Ermittlerin. Aber bereits jetzt gibt es Ecken in der Stadt, wo in den vergangenen Monaten fast jede Fassade vollgesprüht worden ist, zum Beispiel an der Wilhelmshöher Allee gegenüber der Jacob-Grimm-Schule. Die Fahnderin rät den Geschädigten, nach der Anzeigenerstattung die Graffiti so schnell wie möglich zu beseitigen. Denn wenn eine Fassade bereits beschmiert sei, koste es andere Sprayer weniger Überwindung, sich dort ebenfalls zu verewigen.