Mercedes zieht mit Nutzfahrzeugen an Lohfeldener Rüssel – Lingelbach muss verlegt werden

Mercedes in Kassel: Bis zu 100 Lkw-Reparaturen am Tag

Die Anfänge: So sah die Kasseler Mercedes-Niederlassung Ende der 1960er-Jahre aus. Foto:  Mercedes/nh

Lohfelden / Kassel. Als Niels Kowollik (48) vor fünf Jahren aus Berlin als neuer Chef der Mercedes-Niederlassung nach Kassel kam, stand für ihn fest: Der elf Hektar große Standort an der Dresdener Straße – so groß wie 15 Fußballfelder – muss grundlegend verändert werden: Zu unattraktiv die Gebäude, zu lang die Wege. Nun ist es so weit: Mercedes baut zwei moderne Service-Niederlassungen in Bettenhausen (Pkw) und am Lohfeldener Rüssel (Lkw und Transporter).

Lesen Sie auch

- Mercedes-Pkw-Niederlassung Kassel: Umzug auf andere Seite der Sandershäuser Straße

- Mercedes investiert - Lkw-Sparte der Kasseler Niederlassung zieht um

Kowolliks Motto für die Nutzfahrzeuge lautet: „Je dichter an der Autobahn, desto besser.“ Die Erreichbarkeit sei dort viel besser. Und allein durch die bessere Sichtbarkeit des Unternehmens in unmittelbarer Nähe der A7 rechnet er mit zehn Prozent mehr Kunden. 80 bis 100 Lastwagen sollen hier täglich repariert und gewartet werden. Außerdem werde viel Verkehr in der Stadt Kassel vermieden.

Kowollik ist froh über das grüne Licht aus der Mercedes-Zentrale in Stuttgart. Doch eine Hürde gilt es noch zu nehmen, bevor der neue Standort am Lohfeldener Rüssel gebaut werden kann: Das Planungsrecht muss geändert werden. Denn Mercedes braucht mit 43 500 Quadratmetern eine größere Fläche, als zur Verfügung steht. Für eine ausreichende Fläche muss der Lingelbach verlegt werden. Er soll teilweise verrohrt und dann offen zum Überlaufbecken weitergeführt werden. „Die Renaturierungsfläche bleibt, sie wird nur verschoben“, stellt Kowollik klar. Wegen des abschüssigen Geländes sind umfangreiche Erdarbeiten notwendig. Die gesamte Fläche soll auf ein Niveau gebracht werden, zwei Millionen Euro werden allein die Erdbewegungen kosten.

Die neue Niederlassung an der Matthäus-Merian-Straße wird als langer Werkstattriegel mit einem zentralen Kundengebäude geplant. Im Riegel rechts entstehen etwa 15 Reparaturbahnen für Lkw. Jede ist über acht Meter hoch und 22 Meter lang. Ganze Lastzüge (auch Gigaliner) können hier komplett hineinfahren und nach der Reparatur hinten wieder herausfahren. Das Abkoppeln der Zugmaschine und Rückwärtsrangieren, wie am jetzigen Standort in Bettenhausen gängige Praxis, sind nicht mehr notwendig.

Im Riegel links sind 15 Reparaturbahnen für Transporter wie den Mercedes-Sprinter vorgesehen. Für gestrandete Lkw-Fahrer wird es zwei Schlafräume mit Fernsehen und Internet geben.

Das Gebäude wird nach hohen ökologischen Standards errichtet. Geplant ist eine abwasserfreie Werkstatt, das heißt, das Wasser wird in einem geschlossenen Kreislauf wiederverwendet. Ein Blockheizkraftwerk wird für Strom und Wärme sorgen. Altöl, Lacke, Reifen, Batterien und Schrott werden getrennt gesammelt. Im Schauraum werden Transporter und ein großer Lastzug ausgestellt. Hier sollen künftig auch die Neuwagen übergeben werden. Gebrauchtfahrzeuge werden ebenso ausgestellt.

Für die rund hundert Mitarbeiter wird sich einiges verbessern: So werden die Werkstätten beheizt sein, auch eine moderne Kantine ist geplant.

Archivfoto: Schoelzchen/nh

Von Holger Schindler