Insolvenzverwalter Westhelle: Glaube nicht mehr an außergerichtlichen Vergleich

Warten auf Geld von Göker

Warten auf Geld von Göker

Kassel. Einen außergerichtlichen Vergleich zwischen dem Ex-MEG-Chef Mehmet Göker und den 200 Gläubigern der MEG-Pleite wird es aller Voraussicht nach nicht geben.

Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle sagte dazu: „Daran glaube ich nicht mehr.“ Denn Voraussetzung dafür, dass Mehmet Göker seine Gläubiger finanziell befriedigen könnte, sei, dass er Geld verdiene. Das mache er in der Türkei, wo sich Göker aufhält, zumindest offiziell wohl nicht.

Im Dezember vorigen Jahres hatte Mehmet Göker in einem Interview unserer Zeitung noch erklärt, dass er sich „in den nächsten vierzehn Tagen“ mit Westhelle einigen würde. Daraus wurde nichts. Später betonte Göker, bis Ende Februar sei alles erledigt, habe er Geld an seine Gläubiger gezahlt.

Fritz Westhelle sagt, dass er von Göker selbst nichts höre. Nur sein Anwalt rufe ihn manchmal an, um einen außergerichtlichen Vergleich zu erreichen. Bisher ohne Erfolg. Ende März wird es in Kassel eine Versammlung der Gläubiger geben.

Inzwischen hat Mehmet Göker zwar eine neue Firma, die Göker Consulting GmbH. Diese, so hatte Göker erklärt, vermittle unter anderem an Deutsche, die in der Türkei leben, Heizungs- und Sanitäranlagen. Experten, die sich mit dem Fall der MEG beschäftigen, meinen aber, dass Göker versuche, Datensätze von potenziellen Versicherungskunden zu verkaufen. Doch das Geschäft laufe wohl nicht. Ein Insider: „Wer bezahlt schon 169 Euro für eine Adresse an Herrn Göker?“

Allgemein wird auch vermutet, dass Mehmet Göker nicht mehr nach Deutschland zurückkommen wird. Würde ihn die Staatsanwaltschaft, die nach wie vor wegen Insolvenzverschleppung, Untreue und Betrug ermittelt, wieder weglassen, wenn Göker deutschen Boden betritt? Dazu wollte sich Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung nicht äußern. Unklar war gestern, wie es um die Forderungen des Insolvenzverwalters an diverse Vereine und Organisationen steht, die von der MEG Spenden erhalten hatten. Nach dem Gesetz muss dieses Geld normalerweise zurückgezahlt werden.

Fritz Westhelle, der gestern aus einem Urlaub zurück gekommen war, will sich jetzt erst einen Überblick über den Stand der Verhandlungen seines Büros mit den Betroffenen machen. Ergebnise sollen in der nächsten Woche verkündet werden.

Von Frank Thonicke

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