Michael Wilkens, Mach-was-Stiftung, im Interview zu Kollektivgärten in Kassel

„Wege aus der Einsamkeit“

Architekt und Stadtplaner Michael Wilkens. Foto: Hein

Kassel. Der Kasseler Architekt Michael „Mike“ Wilkens engagiert sich für das Gärtnern in der Stadt und hatte jüngst zur Konferenz der Kasseler Kollektivgärten eingeladen.

Was sind Kollektivgärten?

Mike Wilkens: Anders als unsere vertrauten Schrebergärten sind kollektive Gärten nicht jede für sich eingezäunt. Zwar bearbeiten die Nutzer auch ihre Parzellen, aber alle zusammen nutzen den gleichen Geräteschuppen, die gleiche Zisterne und die Kinder einen Spielplatz.

Warum sind sie wichtig?

Wilkens: Diese Gartenform bietet gerade in den westlichen Metropolen für die vielen Alten und Zugewanderten eine Möglichkeit, Kontakt zum Boden und zu anderen Menschen zu finden und so etwas wie eine Heimat zu finden. Ihre Wurzeln hat die Idee in Detroit und New York, aber auch in Wien, Berlin oder Sevilla gibt es wunderbare Beispiele.

Warum engagiert sich die Mach-was-Stiftung?

Wilkens: Die Mach-was-Stiftung sieht hier ideale Wege, die Menschen aus der Einsamkeit und Sterilität ihrer Sozialwohnung zu holen und Möglichkeiten zu schaffen, wo sie, statt vor dem Fernseher zu sitzen, selber und mit Anderen zusammen kreativ werden können. Denn gerade in unseren modernen Großsiedlungen gelten Möglichkeiten dazu häufig als Ruhestörung.

Die Wohnbaugesellschaften, mit denen wir vorher zwei Gespräche geführt haben, sehen in den mit den erdgeschossigen Balkonen verbundenen Gärtchen eine Realisierung dieser Selber-mach-Gärten. Den oft geringen Erfolg dieser Balkonvorgärten führen sie dann gerne als Beweis dafür an, dass es keinen großen Bedarf an solcher Gartenarbeit gibt. Wir haben aber von den Initiatoren der ersten Kasseler Kollektivgärten ganz anderes gehört.

Was muss man mitbringen?

Wilkens: Nur Interesse für Gartenarbeit und/oder für andere Leute. Leider haben die Menschen in der Stadt oft Angst voreinander.

Ihre Idealvorstellung?

Wilkens: Ich bin sicher, dass die Entwicklung weltweit zu mehr urbaner Landwirtschaft geht und nicht mehr aufzuhalten ist.

Kontakt zur Mach-was-Stiftung: Tel. 0561/40 36 50, www.mach-was-stiftung.de

Von Christina Hein