Verwaltung lehnt Vergleichsangebot ab

Abmahnung gegen Sekretärin: Stadt will sie weiter strafen

Sie kämpft um ihre Ehre: Cornelia Harig, die über 30 Jahre als Rathaussekretärin arbeitete, will keine Abmahnung der Stadt akzeptieren. Archivfoto: Ludwig

Kassel. Cornelia Harig (60) ist das, was man neudeutsch einen Whistleblower (Skandalaufdecker) nennt. Die Rathaussekretärin hatte im Sommer 2012 ein Fehlverhalten ihrer Chefin aufgedeckt.

Obwohl das Arbeitsgericht in einem Gütetermin im August das Gegenteil forderte, will die Stadt die 60-Jährige weiterhin mit einer Abmahnung in der Personalakte strafen, da sie Interna nach außen getragen habe. Harig brachte ans Licht, dass die frühere Leiterin des Revisionsamtes ihre Doktorarbeit von einer anderen Sekretärin während deren Arbeitszeit abtippen ließ. Weil das vom Arbeitsgericht angebotene Vergleichsangebot von der Stadt jetzt ausgeschlagen wurde, wird voraussichtlich eine Gerichtsverhandlung mit Urteil folgen. Der Vergleich sah vor, dass die Stadt die Abmahnung zurückziehen solle, da sie in ihrer Form überzogen sei.

Imageschaden nicht anlasten

Der Richter hatte im Gütetermin gesagt, Harig könne nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass die öffentlich gewordene Affäre der Stadtverwaltung ein negatives Image beschert habe. Genau dies war in der Abmahnung zu lesen. Zudem, so der Richter, müsse die Stadt auch „dankbar“ sein, dass die Mitarbeiterin auf das Fehlverhalten hinwies.

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Anwalt Dr. Bernd Hoppe, der Harig vertritt, teilte mit, dass zwar inzwischen eine neue, geänderte Abmahnung des Personalamtes vorliege. Aber weder diese noch irgendeine andere werde seine Mandantin akzeptieren.

Nach der Rechtsprechung sei es möglich, sich mit Beobachtungen über Missstände am Arbeitsplatz auch an andere Stellen als die Vorgesetzten zu wenden, wenn zuvor versucht worden sei, mit diesen eine Klärung herbeizuführen. Dies habe Harig getan. Nachdem sie einen Monat lang, trotz mehrfacher Bitten, keine Rückmeldung erhielt, habe sie sich mit einem Brief an die Fraktionen gewandt.

Über die Fraktion der Linken war die Affäre der HNA bekannt geworden, in deren Folge die Revisionsamtsleiterin ihren neuen Job als Kämmerin der Stadt Osnabrück sofort wieder abgeben musste.

30 Jahre im Rathaus

Harig will nun vor Gericht für ihr Recht kämpfen. „Ich habe im Interesse der Stadt gehandelt und über 30 Jahre ohne Fehl und Tadel für die Verwaltung gearbeitet“, sagt sie. Die Stadt berücksichtige nicht, dass ihr Hinweis der Verwaltung genutzt habe.

Harig hat von dem Verfahren wenig zu befürchten, da sie sich seit einigen Monaten in der passiven Phase ihrer Altersteilzeit befindet. Auch wegen dieses Umstands hatte es der Richter es als „unverständlich“ bezeichnet, warum die Stadt sie noch abmahnen müsse. Nach Aussage von Harig geht es ihr bei dem Verfahren um ihre Ehre.

Die Stadt will sich im Laufe des heutigen Tages zu der Angelegenheit äußern.

Von Bastian Ludwig

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