Einbürgerungsinitiative richtet sich an 17 000 Menschen in Kassel

Stadt wirbt um Neubürger

Freut sich über die neuen Bürger: Oberbürgermeister schließt Mona Sayodi und Stephen Awung im Rathaus in die Arme. Foto:  Koch

Kassel. Die Stadt Kassel will nach den Sommerferien eine Initiative starten, um bei hier lebenden Menschen mit ausländischen Wurzeln für die deutsche Staatsbürgerschaft zu werben. Dies habe der Magistrat gestern beschlossen, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen bei einer Pressekonferenz.

Die zunächst für drei Jahre angelegte Einbürgerungsinitiative richte sich an etwa 17 000 Menschen, die möglicherweise die notwendigen Voraussetzungen für eine deutsche Staatsbürgerschaft erfüllen. Von den über 200 000 Kasseler Bürgern besitzen insgesamt rund 32 000 (rund 16 Prozent) nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

„Wir wollen Menschen, die schon länger in unserer Stadt leben, die Hand reichen“, sagte Hilgen zu den Zielen der Initiative. „Jemand, der sich entschlossen hat, in unserer Stadt zu bleiben, soll auch mitgestalten können“ – beispielsweise durch die Teilnahme an Landtags- und Bundestagswahlen. Dies sei zudem ein wichtiges Zeichen für die Menschen, die hier eine neue Heimat gefunden haben und ein Ausdruck der Willkommenskultur Kassels.

Erfolg in Hamburg

Mit dieser Initiative greife man auf Erfahrungen in Hamburg zurück, erläuterte er. Dort sei es gelungen, die Anzahl der Einbürgerungen um knapp 60 Prozent zu steigern.

Rund 430 000 Euro hat die Stadt für das Projekt veranschlagt, maßgeblich, um die Untere Einbürgerungsbehörde um zwei Stellen aufzustocken. Denn auch wenn mehr Anträge eingehen, sollten diese genauso zügig wie sonst bearbeitet werden. Das Land Hessen werde rund 200 000 Euro aus dem Wir-Programm beisteuern. Jeden Monat sollen 600 Briefe an potenzielle Neubürger gesendet werden.

Zudem habe man bereits ehrenamtliche Einbürgerungsberater gewinnen können. Einer von ihnen ist Stephen Awung. Der 40-Jährige aus Kamerun kam vor 16 Jahren als Student der Politikwissenschaften nach Kassel. Heute arbeitet er mit Behinderten, ist mit einer Deutschen verheiratet und Vater von zwei Kindern. „Deutschland ist meine erste, nicht meine zweite Heimat. Und ich danke Deutschland für alles, was es mir gegeben hat“, sagt er.

Mona Sayodi hat erst seit April dieses Jahres einen deutschen Pass. „Ich freue mich, dass ich nun eingebunden bin“, sagt die gebürtige Iranerin, die gerade dabei ist, ihr Studium an der Kunsthochschule Kassel abzuschließen.

Die 30-Jährige kam 2008 mit ihrem Mann nach Kassel, der damals Austauschstudent war. Hier habe sie eine Heimat und auch Freunde gefunden.

Auch Mona Sayodi erfüllte die Voraussetzungen für die Einbürgerung. Danach muss man mindestens seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland leben, den Lebensunterhalt allein bestreiten können und über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. (hei)

Wer sich auch als ehrenamtlicher Einbürgerungsbegleiter engagieren möchte, kann sich an das Zukunftsbüro, Tel. 7872185, E-Mail: zukunftsbuero@kassel.de wenden. HINTERGRUND LINKS

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