Victoria-Hochhaus

Stadtbibliothek zieht 2017 in alte Disco am Rathaus

Aus Disko wird die Stadtbibliothek: Die alten Räume des „Kunstbunkers“, „Hippodromes“ und „Purple Haze“ werden für 1,5 Mio. Euro umgebaut. Unser Bild zeigt den Hausmeister des Victoria-Hochhauses Vrancic Bosko, der selbst damals hier gefeiert hat. Fotos: Ludwig

Kassel. Wo jahrzehntelang die Jugend feierte, der Alkohol floss und die Bässe wummerten, geht es bald deutlich geruhsamer zu.

Die Stadtbibliothek wird nächstes Jahr vom Rathaus in das Erd- und Untergeschoss des Victoria-Hochhauses an der Rathauskreuzung umziehen. Dort nutzt sie die Räume ehemaliger Clubs und Diskotheken. 1,5 Mio. Euro investiert die Stadt in den Umbau und die Sanierung des früheren Partytempels.

Der Wegzug der Zentralbibliothek aus dem Rathaus wird nötig, weil deren jetzige Heimat – der Rathausflügel an der Oberen Karlsstraße – umfassend saniert werden muss. Doch bevor die ersten Bücherkisten gepackt werden können, muss zunächst der neue Standort für seine künftige Nutzung hergerichtet werden. Anfang des Jahres hatte die Stadt das Hochhaus gekauft, um seine Ämter langfristig im Umfeld des Rathauses zusammenzulegen.

Einst „Kunstbunker“

Auch der ehemalige Club „Larry Brent“ wird Bibliothek: Hausmeister Vrancic Bosko an der seit fünf Jahren verwaisten Bar.

Wenn im Herbst 2017 insgesamt 67 000 Bücher, DVDs, Hörbücher, CDs und viele weitere Medien in die neuen gut 1000 Quadratmeter großen Räume gebracht werden, endet endgültig eine Disko-Ära an der Rathauskreuzung. 1987 eröffnete der „Kunstbunker“ seine Türen unter dem Victoria-Hochhaus. Der Eingang befand sich in der ehemaligen Unterführung, die inzwischen verfüllt wurde.

Anfang der 90er-Jahre wurde aus dem „Kunstbunker“ das „Hippodrome“. später hieß die Diskothek „Déjà vu“ und dann „Purple Haze“. Es folgenden weitere Namen, bevor der Betrieb vor etlichen Jahren komplett eingestellt wurde.

Erst seit etwa fünf Jahren hat der Club „Larry Brent“ geschlossen, der sich eine Etage über der Disko befindet. Auch diese ehemaligen Club- und Barräume, die fast noch komplett ausgestattet sind – inklusive leerer Spirituosen – wird die künftige Bibliothek umfassen. Zudem werden die früheren Geschäftsräume eines Bastel- und eines Modegeschäfts genutzt, die über große Schaufenster zur Kreuzung verfügen.

2,1 Kilometer Regale

Im Erdgeschoss wird sich vorrangig der Publikumsbereich der Stadtbibliothek befinden, inklusive eines Lesecafés. Im Untergeschoss wird der größte Teil des Medienbestandes präsentiert werden: Romane, Krimis, Science Fiction, Fantasy. Um alle Bücher, CDs und DVDs aufstellen zu können, werden Regale mit einer Gesamtlänge von 2,1 Kilometern eingebaut.

Das Hochhaus soll zwar nur ein zwischenzeitlicher Standort für die Bibliothek werden. Nach Auskunft der Stadt werden aber schon einige Jahre vergehen, bevor ein langfristiger Standort gesucht wird. Einen Rückzug ins Rathaus soll es nicht geben. Die Millioneninvestitionen in das Erd- und Untergeschoss für die Bibliothek seien auf keinen Fall schlecht angelegt, sagt Axel Jäger, Leiter des Hochbauamtes. Die Sanierung sei auch für weitere Nutzungen nötig.

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