Verein und Stadt geben alternativen Führer für Fans von Wandmalereien heraus

Ein Stadtplan für Graffiti

Bunte Kunst in Kassel: Das Wandbild am Gebäude des Cineplex-Capitol-Kinos an der Seidlerstraße stammt von David Schmidt und Nils Bieda. Es wurde 2014 angefertigt und ist in dem neuen Graffiti-Stadtplan verzeichnet. Foto:  Wochinger

Kassel. Sie sind bunt, groß und kreativ: Inzwischen gibt es so viele kunstvolle Graffiti in Kassel, dass die Wandkunst nun einen kleinen Stadtführer bekommt.

Der Verein „Raum für urbane Experimente“ (RuE) hat in Zusammenarbeit mit dem Kasseler Jugend- und Kulturamt einen alternativen Stadtplan herausgegeben. Darin sind die wichtigsten Graffiti-Kunstwerke und Szenetreffs eingezeichnet.

„Welcome to Graffiti in Kassel“ heißt die Karte, die gestern Abend beim Galeriefest in der Südstadt erstmals präsentiert wurde. Der Faltplan im Hosentaschenformat, der zunächst in einer Auflage von 10 000 Exemplaren erscheint, ist ab sofort kostenlos erhältlich. Ideengeber dafür war Marcel de Medeiros vom Verein „Raum für urbane Experimente“, der seit zwei Jahren die Unterführungen am Weinberg und am Holländischen Platz bespielt. Inspiriert durch Projekte in anderen Städten, in denen zum Beispiel Graffiti-Touren angeboten werden, planten Verein und Stadt die Stadtkarte. Damit sollen Touristen und Kasseler Graffiti-Liebhaber gleichermaßen angesprochen werden.

Marcel de Medeiros

Eingezeichnet sind über 20 besondere Wandbilder und Szenetreffs. Darunter etwa die Hall of Fame unter der Autobahnbrücke an der Giesenallee. Sie ist eine von fünf legalen Graffiti-Flächen in der Stadt. Zudem gibt es die vom Verein kuratierten Flächen in den Unterführungen an Hopla und Weinberg. Auch sogenannte Murals - aufwändig gearbeitete Wandbilder - führt die Karte auf. Im Innenhof des Stadtmuseums entsteht gerade ein weiteres solches Riesen-Graffiti. Auf der Rückseite des Faltplans wird die Wandkunst interpretiert und Wichtiges zu den legalen Flächen erklärt. Illegale Graffiti sind in dem alternativen Stadtplan nicht enthalten.

Farbe statt Tristesse

In der Szene gelten auch Regeln, sagt Marcel de Medeiros. Die meisten Künstler arbeiteten ehrenamtlich und investieren viel Zeit und Geld in ihre Graffiti. „Leider werden die Bilder oft nicht respektiert, und ein paar Tage später einfach übermalt.“ Deshalb ist auf der Karte auch ein kleiner Graffiti-Knigge aufgenommen worden, in dem zum Beispiel steht, dass bestehende Bilder nur vollständig übermalt werden sollten.

Der Verein will mit der Aktion mehr Akzeptanz und Verständnis für die Graffiti-Kultur in Kassel schaffen. Dadurch erhoffen sich die Künstler auch mehr freie Flächen zum Arbeiten. Marcel de Medeiros sieht in Graffiti einen Gewinn für die Stadt, denn sie könnten graue und triste Stadtteile aufwerten. Seine Heimatstadt Sao Paolo sei durch Graffiti-Kunst viel bunter geworden. Auch Kassel kann noch mehr Farbe vertragen, findet der 33-Jährige. (pmw)

Der Graffiti-Plan ist kostenlos in der „Galerue“ in der Unterführung am Holländischen Platz, im Graffiti-Laden „Art of Life“ (Schönfelder Str. 12), der Skatehalle Kesselschmiede und beim Jugendamt erhältlich.

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