Staubsauger-Betrug: Zwei Männer in Kassel vor Gericht

Kassel. Zwei Angeklagte aus Kassel sollen elf Staubsauger bei Vorwerk bestellt und nie bezahlt haben. Nun stehen sie vor Gericht

Gewerbsmäßige Betrüger oder doch irgendwie auch Opfer der Verkaufskünste eines Außendienstmitarbeiters für Vorwerk-Staubsauger? Wie das Urteil über die beiden 32 und 33 Jahre alten Angeklagten vor dem Amtsgericht ausfallen wird, entscheidet sich wohl erst am nächsten Prozesstag, dem 1. September.

Die Anklage sieht in den beiden Männern gewerbsmäßige Betrüger, die bei dem Vorwerk-Verkäufer insgesamt elf Staubsauger für 9500 Euro bestellten. Acht wurden ausgeliefert, aber keiner bezahlt. Weil die beiden das auch nie vorgehabt hätten, sieht sie die Staatsanwaltschaft des gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges schuldig.

Angefangen hat alles im November 2014 damit, dass am alten Vorwerk-Sauger des 33 Jährigen der Bürstenkopf kaputt ging und er beim Call-Center ein Ersatzteil bestellte.

Stattdessen kam der am Dienstag als Zeuge gehörte 32-jährige, damals selbstständige Außendienstmitarbeiter zu Besuch. Der Kunde hatte einen Freund hinzugezogen, der jetzt neben ihm auf der Anklagebank sitzt.

Die Reparatur des alten Gerätes lohne nicht mehr, sagte der Verkäufer und präsentierte über vier Stunden das gesamte Vorwerk-Sortiment.

Am Ende kauften beide Männer je ein Gerät, obwohl die mit 1500 Euro weit außerhalb ihrer Einkommensverhältnisse lagen. Der eine ist Geringverdiener, der andere Hartz-IV-Empfänger. Tatsächlich, so habe der Verkäufer gesagt, seien dank Aktionen und Sonderrabatten auch nur 850 Euro für den Sauger fällig.

Später wurden weitere Geräte bestellt, zuletzt acht auf einmal, angeblich für ein Hotel in der Türkei. Fünf will der jüngere Angeklagte für jeweils 350 Euro weiterverkauft haben. Als kein Geld floss, erstattete Vorwerk Anzeige.

Zeugen und Angeklagte schilderten die Verkaufsgespräche sehr unterschiedlich. Der Verkäufer, der mit dem jüngeren Angeklagten zur Schule gegangen war, habe ihnen Superrabatte und eine Beteiligung an seinen Provisionen angeboten. Außerdem habe er ihm 850 Euro bezahlt, sagte der ältere Angeklagte.

Zudem habe der Verkäufer um fehlende Zahlungskraft beim Kunden zu kaschieren die Verträge mit falschen Personaldaten ausgefüllt und ihnen bei Abnahme größerer Mengen eine Beteiligung an seinen Provisionen versprochen.

Stimmt alles nicht, sagte der Zeuge, er habe nie Geld bekommen, vielmehr seinem alten Schulkumpel mit 500 Euro unter die Arme gegriffen, die er nie wiedergesehen habe.

Ansonsten offenbarte der Zeuge, was Provisionen und Geschäftsgebahren bei Vorwerk angeht, eindrucksvolle Erinnerungslücken. Die sollen jetzt von seinen Chefs bei Vorwerk geschlossen werden.

Zur Verhandlung am 1. September ab 9 Uhr im Saal E 221 sollen der Regionalchef und ein anderer Mitarbeiter als Zeugen geladen werden.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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