Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel verbannte Vierbeiner

Streit um Hunde ist alt: Schon vor 200 Jahren Hundeverbot für Karlsaue

Freund des Hundes: Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) war mit seinem Dackel im Sommer regelmäßig im Bergpark. Sein Lieblingsdackel Erdmann wurde auf der dortigen Roseninsel begraben.

Kassel. Freilaufende Hunde in Kasseler Parks sind seit Langem ein Streitthema in der Stadt. Zwar gilt in der Karlsaue und im Bergpark die Anleinpflicht, aber die wenigsten halten sich daran.

Das Problem ist älter als viele meinen: Bereits vor über 200 Jahren sah sich Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel veranlasst, die Hunde aus der Karlsaue zu verbannen. HNA-Leserin Hildgard Spitzer stieß bei Archivrecherchen zufällig auf dieses Kapitel der Parkhistorie, das wir nun vorstellen.

Dem Landesherrn (1743-1821) ging es seinerzeit aber nicht nur darum, Konflikte zwischen den Besuchern des Parks zu vermeiden. Er dachte dabei vor allem auch an sein Eigentum.

Wilhelm I. Hessen-Kassel

In der „Casselischen Polizey- und Commerzien-Zeitung“ wurde am 12. Mai 1814 verkündet: „Es wird jedermann hierdurch erinnert und zugleich gewarnt, sich aus Achtung für das Leibgehege und die Fasanerie des durchlauchtigsten Landesfürsten und aus Schonung für einen öffentlichen, dem Vergnügen und der Erholung eines jeden ohne Unterschied gewidmeten Orts, allen Frevels, Mutwillens, Zerstörung und Beraubung zu enthalten. Das Mitnehmen der Hunde in die Aue bleibt ferner ohne alle Ausnahme verboten.“

Gleiches galt für das Verfolgen und Fangen des zahmen und wilden Geflügels, das sich dort tummelte und wehe, es machte sich jemand an den Nestern der Tiere zu schaffen. Ebenfalls geahndet wurden der Diebstahl von Holz und das „Durchstreifen der Gebüsche“.

„Namhafte Strafen“ drohten

Auch die feinen Kasseler Kreise hatten sich an die Regeln zu halten. So verfügte der Kurfürst, dass das Reiten ausschließlich auf den Hauptalleen erlaubt sei und dies für den „Vornehmen wie den Geringen, dem Herrn wie dem Diener“ gelte. Wer sich nicht daran hielt, so wollte es der Kurfürst, der hatte eine „namhafte Strafe“ zu erwarten und zudem durfte er die Aue dann nie mehr betreten.

Regeln gab es schon damals für Hundehalter: Dieses Bild entstand im Jahr 1935. Es zeigt eine Hundezüchterin an der Kasseler Humboldstraße mit drei englischen Bulldoggen. Foto: Stadtarchiv/ Eberth

Für Ordnung sorgten seinerzeit die Parkaufseher und Auepförtner. Wenn diese Personen ertappten, die es etwa auf einen der Fasane abgesehen hatten und noch dazu nicht aus Kassel stammten, wurde der Betreffende unverzüglich verhaftet und auf die Wache gebracht. Nachts war die Aue ohnehin Tabu für die Kasseler. Damit die Parkaufseher ihre Aufgabe auch ernst nahmen, wurde ihnen unter Androhung des Jobverlustes geraten, sich an „die Beobachtung des Vorgeschriebenen zu halten, und überall fleißig und wachsam zu sein.“

Spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts galt das Hundeverbot nicht mehr, wie alte Fotos aus der Karlsaue belegen. Der letzte deutsche Kaiser, Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), durchstreifte mit seinem Dackel sogar äußerst gern den Kasseler Bergpark während seiner Sommeraufenthalte im Schloss Wilhelmshöhe.

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