Landgericht verurteilt 49-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe

Stromtod in der Wanne: Vater muss nicht ins Gefängnis

Kassel. Nach dem tragischen Stromtod seiner beiden Kinder in der Badewanne muss ein 49-jähriger Mann aus Kassel nun doch nicht ins Gefängnis.

Die neunte Strafkammer des Kasseler Landgerichts hat am Donnerstag in einem Berufungsverfahren das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Kassel in Hinblick auf das Strafmaß aufgehoben. Im Mai dieses Jahres war der Mann noch zu drei Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen in zwei Fällen verurteilt worden. Dagegen hatte er Berufung eingelegt. Mit Erfolg. Die neunte Kammer verurteilte ihn jetzt zu einer zweijährigen Haftstrafe, die zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt worden ist.

Zu Beginn der Verhandlung erklärte Verteidiger Thomas Hammer, dass man die Berufung auf die Überprüfung des Strafmaßes beschränke. Die Feststellungen der Umstände, die zum Tod des sechsjährigen Jungen und seiner vierjährigen Schwester geführt hätten, seien unstrittig, hatte zuvor der Vorsitzende Richter Liebermann ausgeführt.

Demnach hatte der Vater am 10. November 2013 seine Wohnung in Rothenditmold für zehn bis 15 Minuten verlassen, um zum Bahnhof zu fahren. Seine Kinder, die sonst bei ihrer Mutter in Hamburg lebten, ließ er allein in der Badewanne zurück. Während seiner Abwesenheit gelang auf unbekannte Weise der in eine Steckdose gestöpselte Rasierapparat des Mannes ins Wasser und verursachte den Stromschlag. Als der Vater zurück in die Wohnung kam, lagen beide Kinder tot in der Wanne.

Das „Maß der Pflichtswidrigkeit“, die der Mann begangen habe, sei sehr hoch, sagte der Richter. Dennoch sei vor dem Amtsgericht nicht ausreichend berücksichtigt worden, wie hart der Angeklagte selbst durch den Tod seiner Kinder getroffen worden ist, begründete Liebermann das mildere Urteil. „Er weiß, dass er dafür die Verantwortung trägt.“  

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