Soll Menschen auf Anweisung geschlagen haben

37-Jährige schwor Sturm 18 angeblich ab: Nun ist sie mit Bernd T. angeklagt

Wieder vor Gericht: Die mittlerweile 37-Jährige  (links) beteuerte vor einem Jahr, dass sie Bernd T. abgeschworen habe. Zeichnung:  Reinckens (2015)

Kassel. Mitunter wird vor Gericht gelogen, dass sich die Balken biegen. Vor knapp einem Jahr beteuerte eine Frau, dass sie mit dem Neonazi-Verein Sturm 18 nichts mehr am Hut habe.

Zuvor hatte sie sich noch dafür entschuldigt, dass sie gemeinsam mit zwei weiteren Frauen eine 16-Jährige auf Anweisung von Sturm 18-Anführer Bernd T. geschlagen und gedemütigt hatte. Die Frau war deshalb am 1. April 2015 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe sowie 150 Arbeitsstunden verurteilt worden.

Jetzt steht die mittlerweile 37-Jährige wieder vor Gericht. Dieses Mal teilt sie sich mit zwei Männern und zwei weiteren Frauen die Anklagebank mit Bernd T., dem sie angeblich abgeschworen hatte.

Nur acht Tage nach ihrer Verurteilung vor dem Amtsgericht soll die Frau neben den anderen Angeklagten daran beteiligt gewesen sein, auf Anweisung von T. wieder andere Menschen zu schlagen und zu bedrohen. Die Opfer sollten laut Anklage dazu gezwungen werden, Mitglied in dem Neonazi-Verein zu werden. Bernd T. habe versucht, „Azubis“ für seinen Verein aus der Trinkerszene zu rekrutieren, so Staatsanwältin Riester in ihrer Anklage. Die Angeklagten und die Opfer kannten sich. Eine Gemeinsamkeit ist offenbar gewesen, dass sie zusammen Bier getrunken haben, bis es zu den Straftaten kam.

Dass die Grenzen zwischen Opfer und Täter in der Neonazi-Truppe „Sturm 18“ oft fließend gewesen sind, wird auch an der Person der 37-jährigen Angeklagten deutlich. Bei der Verhandlung vor einem Jahr stellte sich heraus, dass sie selbst Opfer von Bernd T. geworden war, bevor sie auf seine Anweisung die 16-Jährige schlug. Nachdem die 37-Jährige einige Treffen von Sturm 18 verpasst hatte, war der Frau von Bernd T. zur Strafe eine Hundeleine um den Hals gelegt worden und sie wurde auf allen vieren „Gassi“ geführt.

Vor einem Jahr hatte die Frau erklärt, dass sie Alkoholprobleme habe und unter Betreuung stehe.

Am Dienstag machte sie vor Gericht nicht den Eindruck, dass sich ihre Lebensumstände seitdem deutlich verbessert hätten.

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