Reste der Buga-Bahn von 1981 jetzt bei Bombensuche entdeckt

Mit dem Zug durch die Karlsaue: Als im Park noch Gleise lagen

Kassel. Als die HNA jetzt über die Suche nach Blindgängern in der Aue berichtete, bei der im Boden auch Schienenteile der Buga-Bahn auftauchten, wurde ein Mann im hohen Norden Deutschlands hellhörig.

Pfarrer Dietrich Meier (54) erinnerte sich an die Bundesgartenschau (Buga) im Jahr 1981 in Kassel, bei der er im Alter von 18 Jahren der jüngste Lokführer des „Auen-Express“ werden sollte.

Damals besuchte Meier, der heute als Dekan der Evangelischen Kirche in der Nähe von Bremerhaven lebt, die Herderschule in Kassel. Nebenbei wollte sich der Schüler etwas bei der Buga-Bahn hinzuverdienen. Also nahm er Kontakt zum Betreiber der Bahn auf, die von April bis Oktober 1981 durch die Karlsaue und das heutige Buga-Areal fuhr.

Trasse von 5,5 Kilometern

Auf der 5,5 Kilometer langen Strecke fuhren insgesamt zehn Loks mit Waggons, wie man sie als Westernzüge aus Freizeitparks kennt. Sie wurden von einem 50 PS-Ford-Motor angetrieben und brauchten etwa eine halbe Stunde für den Rundkurs.

Als 18-Jähriger: Dietrich Meier war der jüngste Lokführer des „Auen-Express“, der zur Bundesgartenschau 1981 durch die Karlsaue und das Buga-Gelände fuhr. Fotos: privat, Baron

„Der Laden brummte. Obwohl eine Fahrt sechs Mark kostete – das war damals da Fünffache einer Straßenbahnfahrt – waren die Züge voll. Eigentlich war in jedem Zug Platz für 150 Menschen, aber die Fahrgäste saßen zum Teil übereinander“, erinnert sich Meier. Dicht gedrängt hätten die Leute auch auf den insgesamt fünf Bahnhöfen der Parkbahn gestanden und zum Teil eine halbe Stunde gewartet, bis sie einen Platz ergatterten.

Als sich der Schüler damals beim Eigentümer der Bahnen um den Job als Fahrer beworben hatte, war dieser erst skeptisch. Denn der Herderschüler hatte erst seit wenigen Monaten seinen Führerschein. Dennoch stellte er den 18-Jährigen ein. „Ich war als Schüler eigentlich nur für die Sonntage eingeteilt, aber wegen des starken Andrangs bin ich auch in der Woche, wenn ich mit den Hausaufgaben fertig war, Lok gefahren“, erzählt der Pfarrer.

Stark gefragt: In den Waggons der Buga-Bahn hatten 150 Menschen Platz. Gerade an Wochenenden waren die rappelvoll.

Nicht immer war der Job einfach. Die Fahrgäste hätten bei der Fahrt oft die Arme aus den Waggons gehalten und sich dabei verletzt. Als Lokführer habe man dann häufig Durchsagen machen müssen.

Einmal sei es beim Rangieren auch zu einem Zusammenstoß von zwei Zügen gekommen. Da hätten zum Glück aber nur die Lokführer in den Bahnen gesessen. Ein ganzer Zug sei bei dem Unfall aber Schrott gewesen.

2012: Dietrich Meier vor einem der ehemaligen Buga-Züge, die inzwischen im Heidepark Soltau fahren.

Als die Loks in Kassel nicht mehr benötigtwurden, kamen sie in Freizeitparks zum Einsatz. So fand Meier eine der Kasseler Loks im Heidepark-Soltau wieder – über 30 Jahre nach deren Einsatz zur Buga.

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