Angebot für Flüchtlinge: Kirche öffnet demnächst Café Zuflucht

Evangelische Kirchengemeinde Kassel-Südstadt an der Frankfurter Straße 78A: Wo das Zentrum für Sucht- und Sozialtherapie seine Räume hat, wird demnächst auch das „Café Zuflucht“ seine Pforten öffnen. Fotos: Hein

Kassel. Die Kirche eröffnet demnächst in Kassel Südstadt das Café Zuflucht. Dies soll ein Begegnungsort für Flüchtlinge werden.

Unter den Menschen, die einst das Angebot der „Gesegneten Mahlzeit“ in den Räumen der evangelischen Südstadt-Kirchengemeinde wahrgenommen haben, hatte es sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen.

Da war es offiziell noch gar nicht kommuniziert: Die Kirche plant am Standort Frankfurter Straße 78 A noch in diesem Monat ein Angebot für Flüchtlinge, das „Café Zuflucht“.

Der Begegnungsort sei bewusst in fußläufiger Entfernung zu den Flüchtlingsunterkünften im einstigen Kinderkrankenhauses Park Schönfeld und der ehemaligen Jägerkaserne, wo 430 Menschen lebten, gewählt, sagt Martin Schenker vom Diakonischen Werk, das neben der Ev. Kirchengemeinde der Südstadt Träger des neuen Cafés ist.

Bis 2013 Gesegnete Mahlzeit 

Bis vor zwei Jahren befand sich in den Räumen noch die „Gesegnete Mahlzeit“, einer von vier Mittagstischen für Bedürftige in Kassel. Sang- und klanglos war das Angebot in der Südstadt von der evangelischen Kirche eingestellt worden, „aus finanziellen und personellen Gründen“, wie Pfarrer Holger Wieboldt erklärte. Bis heute wird der Wegfall von einigen Bedürftigen im Stadtteil bedauert. „Wir finden es in Ordnung, dass die Kirche ein Angebot für Flüchtlinge macht, aber warum ausgerechnet dort, wo viele Menschen die Gesegnete Mahlzeit so schmerzlich vermissen“, sagen Heike Becker und Lutz Fritsche. Beide haben im Gemeindezentrum regelmäßig mittags warme Mahlzeiten zu sich genommen.

Die Idee für ein Flüchtlingscafé war während einer gemeinsamen Ortsbeiratssitzung mit Wehlheiden geboren worden. Durch die Initiative von Südstadt-Ortsvorsteherin Kerstin Saric und ihrer Grünen-Parteifreundin aus Wehlheiden, Dr. Marianne Hornung-Grove, hatte sich bald ein Unterstützerkreis gegründet, so Schenker zur Vorgeschichte. Rotary-Clubs und das Südstadtzentrum waren früh mit im Boot. Weitere Partner sind die lutherische St.-Michaelis-Gemeinde, die Caritas, sowie der Nachbarschaftshilfeverein der Vereinigten Wohnstätten, Hand in Hand.

Für eine Anschubfinanzierung von 16 000 Euro sorgen jetzt die vier Kasseler Rotarier-Clubs. Auch gebe es Privatspender, die das Projekt unterstützen, so Schenker. Von dem Geld sollen die Viertelstelle (zehn Stunden pro Woche) eines Sozialarbeiters des Diakonischen Werks sowie die Nebenkosten bezahlt werden. Die Räume stelle die Kirche mietfrei zur Verfügung.

Heike Becker (54) versteht nicht, warum man ein Angebot für Bedürftige schließt, um ein anders zu starten. Bis zum Schluss hatte sie bei der „Gesegneten Mahlzeit“ ehrenamtlich mitgeholfen. „Das hat mir Freude gemacht, es gab ein Miteinander, das fehlt jetzt in der Südstadt.“

Das Café Zuflucht soll an drei Tagen in der Woche, Di, Do und Sa, 14 bis 17 Uhr, öffnen.

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