Studentin aus Kassel gehörte zu den Verdächtigen

RAF überfiel 1971 die Sparkasse in Kasseler Südstadt

Kassel. Nach dem Überfall auf die Sparkassenfiliale in der Kasseler Südstadt (Akademiestraße) kommen Erinnerungen an frühere Fälle auf. Damals wurde auch Astrid Proll aus Kassel verdächtigt.

Die war unter einem Tarnnamen bei dem Kasseler Lehrer und späteren SPD-Bundestagsabgeordneten Horst Peter abgestiegen.

Eine Chronologie: Am 15. Januar 1971 um 9.33 Uhr kam der Doppelschlag: Neun Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) überfielen zwei Zweigstellen der Stadtsparkasse in Kassel. Mit Pistolen bedrohten die Terroristen Angestellte und Kunden in der Filiale am Georg-Stock-Platz (Wehlheiden) und in der Filiale an der Akademiestraße (Südstadt). Um ihre Drohung zu untermauern, feuerten die linksradikalen Täter auch Schüsse ab. Insgesamt erbeuteten sie 114 715 DM. „Masken-Bande raubte in 2 Minuten 2 Banken aus“ titelte damals die Bild-Zeitung.

Kurze Zeit später tauchten bereits Gerüchte auf, dass es sich bei den Tätern um die linksradikale Gruppe um den Berliner Apo-Anwalt Horst Mahler und den Kaufhausbrandstifter Andreas Baader handeln könnte. Zudem wurde die damals 23-jährige Astrid Proll aus Kassel gesucht. Die Studentin wurde beschuldigt, an der gewaltsamen Befreiung von Andreas Baader beteiligt zu sein. Im April 1970 war gegen die Kasselerin Haftbefehl wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes und Gefangenenbefreiung erlassen worden. Ob Proll wirklich an den Banküberfällen in Kassel beteiligt war, konnte später nicht mehr festgestellt werden.

Fest steht nur, dass sie im Dezember 1970 in ihre Heimatstadt zurückgekehrt war. Unter dem Tarnnamen „Rosi“ stieg sie mit einem Mann namens „Ben“, wahrscheinlich war das der gesuchte Holger Meins, bei Horst Peter ab. Peter, bekennender Linker, war damals SPD-Stadtverordneter und Lehrer. Am 28. Dezember 1970 ließen er und seine Frau, eine Studentin, auf Bitten aus dem Bekanntenkreis „Rosi“ und „Ben“ bei sich in Kassel übernachten. Spontane Übernachtungsgäste waren damals im studentischen Milieu nichts Ungewöhnliches. Proll und Meins nutzten offenbar diesen Aufenthalt, um die beiden Filialen für die Banküberfälle auszuspähen.

Auch RAF-Kopf Andreas Baader hatte Verbindungen nach Nordhessen: Als Kind verbrachte er mit seiner Großmutter viel Zeit bei der Familie seines Onkels, die in Röhrenfurth bei Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis) eine Metzgerei mit Gastwirtschaft betrieb. 1969 gehörten Baader und Gudrun Ensslin zu den Wortführern der linken Szene, die die traditionelle, repressive Heimerziehung in Hessen beenden wollten. Pädagogik-Studenten fuhren in Konvois aufs Land, um den „Heimterror“ zu stoppen. Sie fielen auch in Wabern, Guxhagen und im „Burschenheim Beiserhaus“ in Rengshausen (Knüllwald) ein, riefen zur Rebellion oder zum Ausbruch auf. Und schließlich war Baader in nordhessischen Gefängnissen inhaftiert - nach den Kaufhausbränden saß er in Kassel-Wehlheiden und von Februar 1973 bis November 1974 in Schwalmstadt.

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