Eigentümergemeinschaft fühlt sich von Verkäufer betrogen

Wohntraum wurde zum Alptraum: Haus in Südstadt weist große Schäden auf

In einem schlechten Zustand: Der Altbau an der Beethovenstraße/ Ecke Frankfurter Straße in der Kasseler Südstadt. Fotos: Ludwig, privat

Kassel. Mit dem Kauf einer Eigentumswohnung wollte eine Kasseler Eigentümergemeinschaft ihren Traum verwirklichen – doch es wurde für sie zum Alptraum.

Weil der Altbau an der Beethovenstraße 1 in der Südstadt große Schäden aufweist, die im Kaufvertrag verschwiegen wurden, haben die Mitglieder der Hausgemeinschaft den Verkäufer ihrer Wohnung angezeigt. Zudem laufen mehrere Rechtsstreite. 

Während der Verkäufer auf Tauchstation geht, steht die Wohneigentümergemeinschaft kurz vor der Insolvenz.

Carina Wagener

Carina Wagener lebt seit einem Jahr mit Mann und Baby in einer der Eigentumswohnungen. Damals kauften sie die Wohnung von der Deutschen Treuhandgesellschaft für Immobilienverwaltung (DTI) aus Marburg. Von der anfänglichen Euphorie ist bei der jungen Familie aber genauso wenig übrig wie bei den anderen sechs Parteien im Haus, zu denen Maximilian Dettner, Daniel Hoppe und Sergey Vishnevskiy zählen. Nach dem Einzug stellte sich für alle Käuferparteien heraus, dass Dach, Treppenhaus und Fassade erhebliche Mängel aufweisen. Zwei Gutachten haben dies inzwischen belegt. Allein die dringlichsten Reparaturen würden 100.000 Euro kosten. Eines der Gutachten hatte der Gebäudeversicherer erstellen lassen, nachdem eine Ziegel vom Dach auf den Gehweg gestürzt war. Darin heißt es, dass erhebliche Schäden am Dach und am Dachboden bestehen. Seit langer Zeit trete Feuchtigkeit ein. Deshalb komme die Versicherung für Schäden nicht auf, sodass eine neue Versicherung gesucht wurde.

Dabei sei beim Verkauf der Wohnungen von der DTI zugesagt worden, dass ein generalsaniertes Haus übergeben werde, erzählt Wagener. In einem Kaufvertrag, den eine Käuferin erst im August mit der TDI für eine der Wohnungen geschlossen hatte, ist zu lesen, dass dem Verkäufer „keine versteckten Mängel und Altlasten“ bekannt seien.

Lebensgefährlich: Es fiel bereits eine Ziegel vom maroden Dach auf den Gehweg an der Frankfurter Straße.

Damit nicht genug: Die Denkmalschutzbehörde hat im Frühjahr im Treppenhaus Sanierungsarbeiten gestoppt, weil die DTI den Denkmalschutz missachtete. Auch der Flachdachteil des Hauses, der von der Straße aus nicht zu sehen ist, wurde nicht fachgerecht saniert. Ein Gutachter stellte fest, dass das Dach undicht ist.

Nicht nur der Rechtsstreit ist für die Bewohner teuer. Weil sich die DTI für ihre noch nicht verkaufte Wohnung nicht an den Betriebskosten beteilige, stehe die Eigentümergemeinschaft kurz vor der Insolvenz, sagt Wagener

Die Geschäftsführer der DTI haben auf HNA-Anfragen nicht reagiert. Lediglich der mit dem Wohnungsverkauf beauftragte Makler teilte mit, es handele sich nunmal um ein altes Haus und es habe sich „Vieles hochgeschaukelt“.

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GrisuuAntwort
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Fehlt hier der Ironie-Hinweis?
Was hat denn der Staat damit zu tun???

Wir müssen Handeln !!!
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Wie blind muss man sein um solche Katze im Sack zu kaufen.Das sieht jeder was da los ist.!!!

tbladerunnerAntwort
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Ich halte es für ein schönes Haus. Da gibt es im "hippen" Vorderen Westen schlimmere, hochgelobe Bruchbuden.

Kommentare

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