Seit 2007 ist das Fest wieder in ruhigerem Fahrwasser

Mitunter schlugen die Wellen höher: Zissel schaut auch auf stürmische Zeiten zurück

Er brachte den Zissel an die Fulda zurück: Hansi Meister bewies sein spritziges Engagement für das Wasserfest auch bei der Wasserski-Show im Jahr 2001 auf der Fulda. Meister war von 1996 bis 2005 Präsident der Zisselgilde. Er starb 2013. Archivfoto:  Fischer

Kassel. Janine Herr (29) wird am Freitagabend eine besondere Ehre zuteil. Die Chefin des Kasseler Volks- und Wasserfestes darf die 90. Auflage des Zissels eröffnen.

Am 8. August 1926 war erstmals offiziell Zissel in Kassel gefeiert worden. Unter Mitwirkung des Verkehrsamtes.

Wo das Wasserfest aber seinen Ursprung hat, darüber wird immer noch gerätselt. „Der Ursprung des Kasseler Zissels liegt im Dunkeln“, heißt es 1979 in einem Artikel von Wolfgang Hermsdorff im Heimatbrief.

Heimatdichter Paul Heidelbach berief sich bei seinen Recherchen auf den am Kasseler Altmarkt wohnenden Kaufmann Sattler. Der berichtete, dass bereits zu Ende des 18. Jahrhunderts auf einem flussaufwärts gezogenen Sandkahn mit Familie und Gästen Vergnügungsfahrten auf der Fulda unternommen wurden.

Mit der Zeit seien diese Wasserfahrten aber in Vergessenheit geraten, so Heidelbach, bis um 1911 die am Fuldadamm gelegenen Badeanstalten und Schwimmvereine ihre mit abendlicher Illumination und Beleuchtung der Kähne verbundenen Vereinsfeste begingen. Und daraus entstand 1926 der erste Zissel.

Die Nationalsozialisten nutzten das Fest für ihre Zwecke: Sie stempelten den Zissel zum Heimatfest der gesamten Stadt und rückten dabei die Altstadt in den Mittelpunkt. Das Fest wurde auf dem Marställer Platz eröffnet. In der Festschrift 1939 hieß es: „Dem Überlieferten, Alten entstammt der Kasseler Zissel. Neugeboren aber ist er erst im nationalsozialistischen Deutschland.“ Es sollte der letzte Zissel für die kommenden zehn Jahre sein.

Eine Übersicht über das Programm in diesem Jahr finden Sie hier.

In der zerstörten Stadt wurde erstmals wieder 1949 Zissel gefeiert. Seitdem ist er aus Kassel nicht mehr wegzudenken, wenngleich es auch immer wieder neue Orte in der Stadt gab, an denen das Fest gefeiert wurde. Zisselpräsident Hansi Meister holte das Fest im Jahr 2000 endgültig an die Fulda zurück.

Bei allem Frohsinn gab es im Hintergrund aber immer wieder Spannungen, die auch in der Öffentlichkeit ausgetragen wurden. Jeder Präsident der Zisselgilde, ob nun Helmut Kerl, Hansi Meister oder Ingo Groß, hatte sich im Laufe der Zeit nämlich mit Edgar Donath, Präsident des Zisselförderkreises, angelegt. Zu viele Köche verderben mitunter den Brei.

Der Zisselförderkreis war Anfang der 1990er-Jahre gegründet worden, weil die Zisselgilde ihre Gemeinnützigkeit verloren hatte. Grund: Der Verein hatte sich zu stark wirtschaftlich betätigt. Er veranstaltete den Dippenmarkt und schloss selbst die Verträge mit den Schaustellern ab.

Nachdem die Zisselgilde sich aus diesen Geschäften zurückgezogen hatte und wieder die Möglichkeit bestand, die Gemeinnützigkeit zurückzuerlangen, gab es 2007 große Bestrebungen, dass beide Vereine fusionieren. Zumal sich die unterschiedlichen Zissellager eine unschöne Schlammschlacht lieferten und die Gefahr bestand, dass das Wasserfest den Bach runtergeht.

Dass die Fusion schließlich doch klappte, war auch dem langjährigen Vorstandsmitglied Klaus Schuchhardt (1937 bis 2013) zu verdanken, der monatelang als Schlichter unterwegs war. Aus der Fusion entstand der neue Verein „Zissel in Kassel“, zu dessen erster Präsidentin Nancy Hirschfeld gewählt wurde.

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