GWH reicht 69 Sozialwohnungen an Firma Heitmann weiter

Mieter kritisieren Verkauf von documenta urbana

69 Sozialwohnungen hat die Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) im Wohnquartier Documenta Urbana verkauft. Betroffen sind auch die Häuser Hermann-Mattern-Straße 2 bis10 (Bild). Neuer Eigentümer ist die zweite Immobilien-Gesellschaft des Kasseler Investors Philipp Heitmann. Die Familie hat insgesamt rund 550 Wohnungen im Bestand. Foto: Fischer

Süsterfeld/Helleböhn. Die Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) hat 69 Mietwohnungen in der Siedlung Documenta Urbana an die Heitmann Immobilien GmbH verkauft.

Das Kasseler Unternehmen will die Sozialwohnungen auf jeden Fall erhalten, kündigt Philipp Heitmann an: „Wir wollen keine Mieter vertreiben.“

Der Verkauf der Wohnungen, für die noch bis Jahresende 2021 die Sozialbindung gilt, hatte unter den Mietern der Häuser Hermann-Mattern-Straße 2 bis 10 sowie 41 und Heinrich-Schütz-Allee 242, 244, 246 und 258 für Verunsicherung gesorgt. Erst am 2. Mai habe man erfahren, dass es seit dem 1. Mai einen neuen Eigentümer gebe, kritisiert ein Mieter. Es habe keine frühzeitige Information gegeben, man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „So kann man mit Mietern nicht umgehen“, kritisiert Mieterin Elfi Heusinger von Waldegge die GWH. Sie findet es zudem „schlimm, dass an einen Immobilien-Makler verkauft wurde“.

Der Kasseler GWH-Bereichsleiter Christian Wedler begründet die späte Information mit längeren Verkaufsverhandlungen. Solange verhandelt werde und Verträge noch nicht unterschrieben seien, könne das Unternehmen nicht informieren, bittet Wedler um Verständnis.

Die Mieter bräuchten sich keine Sorgen zu machen, betont Wedler. Man habe sich bewusst für einen soliden Kasseler Investor entschieden. Im Kaufvertrag sei festgehalten, dass der neue Eigentümer keine Luxusmodernisierung ausführen dürfe und im Sinne der Sozialbindung an Wohnungssuchende vermieten müsse, die nur schwer eine Wohnung in Kassel finden.

Keiner der Mieter in der im Jahr 1982 vor der documenta 7 fertiggestellten „Wohnschlange“ müsse um seine Bleibe fürchten, stellt Wedler klar: „Kauf bricht nicht Miete.“

Die GWH habe sich von den Wohnungen getrennt, weil es sich um sehr spezielle Immobilien handele. Die von unterschiedlichen Architekten vielfältig gestalteten Wohnhäuser in exponierter Lage direkt am Naturschutzgebiet Dönche seien „weit weg von den Standard-Beständen der GWH und nicht unser Kern-Geschäftsfeld.“ Diese Einschätzung habe zur Entscheidung geführt, sich von den Häusern zu trennen, die urheberrechtlich geschützte Kunstwerke sind und deren Optik nicht verändert werden darf.

Man könne die Kritik der Mieter verstehen und deren Bedenken nachvollziehen, sagt Wedler. Aber es sei für die Bewohner der Häuser „nichts Schlimmes zu erwarten.“

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG, die im Quartier ebenfalls Wohnungen hat, plant keinen Verkauf und hat laut GWG-Chef Peter Ley in die Instandhaltung und Sanierung investiert.

Das sagt Heitmann:

Für mit öffentlichem Geld geförderte Sozialwohnungen gebe es strikte gesetzliche Vorgaben, „daran halten wir uns“, sagt Philipp Heitmann. Er ist mit seiner zweiten Immobilien-Gesellschaft neuer Eigentümer der 69 Wohnungen in der Documenta Urbana. Derzeit sei man bei der Bestandsaufnahme und schaue sich mit einem Team aus Fachleuten jede Wohnung an, erklärt der Immobilienkaufmann. Es gebe zwar einiges an Instandhaltung zu tun, „aber der Sanierungsstau ist klein“, sagt Heitmann. In den vergangenen Jahren hatten Mieter der GWH kritisiert, dass die Häuser in der Wohnschlange vernachlässigt würden. Jetzt ist der neue Eigentümer am Zug und will die 34 Jahre alten Immobilien auf Vordermann bringen. Heitmann möchte die Wohnungen in bester Lage „länger im Bestand halten“. Als Problem sieht er die Wiedereinführung der Fehlbelegungsabgabe in Kassel ab 1. Juli 2016. Bei derzeitigen Kaltmieten zwischen 4,50 und 5,60 Euro pro Quadratmeter müssten Bewohner, die deutlich über den Verdienstgrenzen liegen, erhebliche zusätzliche Beträge als Abgabe an die Stadt Kassel zahlen und sich deshalb möglicherweise eine andere Wohnung suchen. „Wir haben Angst, dass gute Mieter rausgedrückt werden“, sagt Heitmann. Die Abgabe sei „eine Katastrophe für die Wohnanlage“.

Lexikonwissen: documenta urbana im HNA-Regiowiki

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