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Tattoomenta: Wenn die Liebe bis unter die Haut geht

Kassel. Die Liebe zu ihrem Hund geht bei Angie Holden bis unter die Haut. Die 31-Jährige aus Paderborn lässt sich das Konterfei von ihrer Englischen Bulldogge Otis auf den Unterschenkel tätowieren.

Während die Nadel von Tattoo-Künstler Jan Bieberle in ihre Haut sticht, gerät sie ins Schwärmen, wenn man nach ihrem Hund fragt. Keine Schmerzen? Gewöhnungssache. Auch beide Oberarme der jungen Frau sind von großen bunten Bildern bedeckt, in Unterlippe und Nase stecken Piercings.

Dass Tattoos längst nicht mehr nur Seefahrer und schwere Jungs anziehen, zeigt sich bei der Tattoomenta, die dieses Wochenende zum achten Mal in Kassel stattfindet. Hunderte Besucher aus der Region und ganz Deutschland strömten schon am Samstag in die documenta-Halle, suchten Inspiration bei einem der 120 Aussteller oder schritten gleich zur Tat - sodass das Surren der Tätowiermaschinen nie abebbte.

Simon McGowen aus Hannover hatte sich mit Tätowierer Marco Mopils aus Frankfurt verabredet, um sich ein weiteres Star-Wars-Tattoo stechen zu lassen. Bis auf den Tintenfisch auf seinem Rücken, den er sich vor 20 Jahren als erstes machen ließ, hat der 37-Jährige ausschließlich Motive rund um die Weltraum-Saga auf seinem Körper. Darauf hat sich Mopils, selbst Star-Wars Fans spezialisiert.

Nicht alle Trends in der Szene sorgen bei den Tattookünstlern für Begeisterung. Besonders nachgefragt werde derzeit das Unendlichkeits-Symbol, eine auf die Seite gelegte 8. „Die Infinity-Schleife ist das neue Arschgeweih“, sagt Falko Klatt in Anspielung auf die einst angesagten ausladenden Tribal-Tattoos oberhalb des Hinterns. Seine Frau Desiree hat kürzlich in der Nordstadt ihr eigenes Tattoo-Studio „Fräulein Klecks“ eröffnet. Wenn Kunden solche inflationär verwendeten Tattoos haben wollen, versuche sie „umzuberaten“, sagt die 29-Jährige. Denn ist das Motiv wieder aus der Mode, bleibt die Tätowierung trotzdem lebenslang.

Tattoomenta-Messe in Kassel

Deshalb wollen sich Nicole Pregler und ihr Mann Matthias auf der Tattoomenta auch erstmal nur informieren. „Wir sind ja nicht mehr blauäugig wie mit 20“, sagt die 40-Jährige aus Göttingen und lacht. Sie erkundigte sich auf der Messe vor allem nach den Farben, die beim Tätowieren verwendet werden. Früher litt sie unter Neurodermitis und will sichergehen, dass ein Tattoo nicht einen neuen Schub auslöst. Nicht nur deshalb habe sie sich lange nicht getraut: „Auch wegen der Vorurteile.“ Heute seien Tattoos aber kein Tabu mehr, ist sich das Ehepaar einig. Die Szene habe ihr Schmuddel-Image abgelegt, sagt Matthias Pregler. Der 42-Jährige möchte den Daumenabdruck des Sohns auf seiner Haut verewigen.

Früher waren Eltern geschockt, wenn die Kinder mit Tatowierung nach Hause kamen. Heute kann ein Tattoo auch ein Zeichen der Vaterliebe sein.

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