Kasseler Frauenarzt warnt vor Panikmache

Thrombose - Gefahr durch die Antibabypille?

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Verhütung: Zwei von drei Mädchen in Hessen nehmen laut Krankenkassen Antibabypillen mit höherem Thrombose-Risiko.

Ich nehme zur Empfängnisverhütung seit einigen Jahren eine Antibabypille der sogenannten vierten Generation. Ich vertrage sie sehr gut. Jetzt habe ich gelesen, dass die modernen Antibabypillen ein erhöhtes Thrombose-Risiko haben sollen und bin verunsichert. Was soll ich tun?“, fragt eine Leserin aus Kassel.

Antworten hat der Kasseler Gynäkologe Drs. Janusch Walbeck, Obmann der Frauenärzte Bezirk Kassel.

„Frauen, die moderne Antibabypillen einnehmen, sollten aufgrund der Meldungen auf keinen Fall in Panik geraten“, sagt Walbeck. Gemessen an der Zahl der Verwenderinnen, sei das Thrombose-Risiko verschwindend gering. Auf das Risiko einer Thrombose haben laut Walbeck außerdem weitere Faktoren wie Rauchen und Übergewicht einen maßgeblichen Einfluss. „Wenn Frauen verunsichert sind, sollten sie bei ihrem Frauenarzt ihr Risikoprofil überprüfen lassen“, rät er. Vor allem, wenn sie zwischenzeitlich mit dem Rauchen begonnen oder zugenommen hätten.

Walbeck: „Frauen, die die Antibabypille oder andere hormonale Verhütungsmittel verwenden, sollten generell einmal im Jahr beim Frauenarzt ihr Risikoprofil überprüfen lassen.“ Gegebenenfalls könne dann bei Bedarf auf ein anderes Präparat umgestellt werden. „Die Gynäkologen sind entsprechend geschult“, sagt der Frauenarzt.

Janusch Walbeck

Vor allem bei Neueinsteigerinnen sei die Überprüfung des Risikoprofils besonders wichtig. Walbeck: „Komplikationen treten meistens in den ersten drei bis sechs Anwendungsmonaten auf.“ Wenn Frauen bereits mehrere Jahre Antibabypillen der dritten oder vierten Generation einnähmen und diese gut vertrügen, bestehe in der Regel keine Gefahr, sofern keine weiteren Risikofaktoren hinzugekommen seien.

Die Vorteile moderner Antibabypillen liegen laut Walbeck darin, dass diese weniger andere Nebenwirkungen haben und beispielsweise zu weniger Wassereinlagerungen, weniger Lustverlust und weniger Zwischenblutungen führen.

Allerdings sind sie teurer als Präparate der ersten und zweiten Generation. Bei jungen Frauen unter 20 Jahren werden die Kosten für die Pille von den Krankenkassen übernommen.

„Die Antibabypille ist mit Abstand das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel“, sagt der Kasseler Gynäkologe. Als Alternative zur Pille nennt er bei den hormonalen Verhütungsmitteln beispielsweise den Vaginalring oder die Spirale. Diese verhindern ebenfalls mit Hormonen den Eisprung. Die Wirkstoffe sind allerdings niedriger dosiert als bei der Antibabypille. Eine weitere Alternative seien Pflaster mit hormonalen Wirkstoffen.

Egal ob Pille oder alternative hormonale Verhütungsmethoden: „Wichtig ist die Überprüfung des individuellen Risikoprofils“, betont Walbeck. Frauenärzte klärten auch über das Risiko einer Thrombose bei der hormonalen Empfängnisverhütung sowie den Einfluss weiterer Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht auf.

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