10. Todestag: Zeitzeugen erinnerten an Holger Börner

Erinnerten in Kassel an Holger Börner: (von links) SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel, Tochter Heike Börner-Pospich, der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering, Witwe Carola Börner, die Söhne Dr. Fritjof und Olaf Börner sowie Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Foto: Koch

Kassel. Zum 10. Todestag des ehemaligen Ministerpräsidenten Holger Börner kamen 200 Besucher ins Rathaus. Zeitzeugen erinnerten an ihre Erlebnisse mit dem Kasseler Ehrenbürger.

„Wer keine Politik macht, mit dem wird sie gemacht“, lautet ein bleibender Satz des ehemaligen Ministerpräsidenten Holger Börner. „Dieser Ausspruch gilt in diesen Tagen mehr denn je“, sagte Hessens SPD-Landes- und Landtagsfraktionsvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel am Freitagabend im Kasseler Rathaus. 200 Besucher - darunter Familienangehörige, ehemalige Weggefährten sowie Vertreter von Stadt, Parteien und Organisationen - waren in den Bürgersaal gekommen, um zum 10. Todestag die Lebensleistung Holger Börners zu würdigen.

Schäfer-Gümbel sprach von einem „Vollblut-Sozialdemokraten“, der in Zeiten des Umbruchs und der Unsicherheit Verantwortung für Hessen übernommen und damals einen argwöhnisch beobachteten Schritt gewagt habe: die Bildung der ersten rot-grünen Landesregierung.

Als „Mensch mit Charakter und Rückgrat“ würdigte Oberbürgermeister Bertram Hilgen den Kasseler Ehrenbürger Holger Börner. Der Baufacharbeiter, der nie einen Führerschein hatte, machte in der Politik seiner Heimatstadt sowie auf Landes- und Bundesebene Karriere. Zeitzeugen erinnerten unter Moderation von Prof. Dr. Wolfgang Schroeder (Universität Kassel) an Börners zahlreiche Stationen und Positionen.

Gerhard Fenge, Freund und ehemaliger Kollege beim Bauunternehmen Hermanns, erzählte von der Frühstückspause an seinem ersten Arbeitstag, als Börner ihn sogleich zum Eintritt in die Gewerkschaft bewegt habe. Fenge: „Sein Rat war mir immer viel wert und hat mich mein Leben lang begleitet.“

„Als ob Willy einen Fels gesetzt hätte“, beschrieb der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering das Jahr 1972, als Kanzler Brandt Holger Börner zum SPD-Bundesgeschäftsführer machte. Börner habe Brandt stets den Rücken frei gehalten. Müntefering: „Die SPD von 1972 bis 1976 - das waren die spannendsten Jahre der Partei.“

Wie dem Ministerpräsidenten Börner der Koalitionspartner FDP abhanden kam, berichtete Alfred Schmidt. „Die Situation wurde im Wesentlichen nicht in Hessen, sondern in Bonn entschieden“, meinte der ehemalige FDP-Minister im Kabinett Wallmann (CDU). Ein Verhängnis für die Verbindung von SPD und FDP sei die Ermordung des Ministers und Börner-Freundes Herbert Karry durch die RAF gewesen. Danach, so Schmidt, hätten „die Bonner“ den neuen Trend in Richtung CDU/FDP gesetzt.

„Der hessische Riese“ 

Roland Schmidt, Geschäftsführer der Friedrich-Ebert-Stiftung, erinnerte schließlich an Börners 16-jähriges Wirken als Vorsitzender der Stiftung. Ein kurz vor seinem Tod aufgenommener Film stellte die Stationen des Kasselers unter dem Titel „Der hessische Riese“ vor. Darin mahnte Holger Börner, wieder verstärkt auf die Solidarität, die soziale Gerechtigkeit und den Frieden das Augenmerk zu richten. Dafür gab es für ihn im Kasseler Bürgersaal viel Applaus.

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