Mann räumte 38 Übergriffe ein

Töchter missbraucht: Sieben Jahre Haft für Kinderschänder

Kassel. Sieben Jahre muss ein 41-jähriger Kinderschänder aus dem Landkreis Kassel in Haft. Von der Jugendschutzkammer des Landgerichts Kassel wurde er des sexuellen Missbrauchs von Kindern für schuldig befunden, fünf Mal in schwerem Fall. 38 Übergriffe auf seine Stieftöchter 2013 und 2014 hatte er eingeräumt.

„Es gibt keine Worte. Ich bin zutiefst beschämt.“ Mit dieser Entschuldigung wandte sich der frühere Stiefvater in seinem Schlusswort als Angeklagter vor der Jugendschutzkammer an die 14 und 16 Jahre alten Schwestern im Zuhörerraum. Die hatten den zweiten Prozesstag gegen ihren Peiniger Nägel kauend und einander streichelnd von einem Platz in der hintersten Ecke aus verfolgt.

Auch Oberstaatsanwältin Andrea Boesken hatte zu Beginn ihres Plädoyers direkt zu den Opfern gesprochen. Nur um den Schwestern Schutz zu gewähren und ihnen die Aussagen vor Gericht zu ersparen, habe sie sich auf das Strafmaß von sieben Jahren in einem Vergleich eingelassen und sei von den ursprünglich angeklagten 290 Fällen abgerückt. Denn: „Alle Beteiligten wissen, dass sie heute nur über die Spitze des Eisberges sprechen.“

Worte, gegen die sich Rechtsanwalt Klaus-Uwe Haake als Verteidiger des 41-jährigen Täters verwahrte: „Wenn Sie etwas haben, dann müssen Sie es anklagen.“ Der Strafverteidiger hatte sechs Jahre Haft für angemessen gehalten. Im Urteil wurde schließlich noch ein Jahr für den Peiniger seiner Stieftöchter draufgelegt.

Während zweier Prozesstage war es von Beginn an um die Frage gegangen, wie viele Taten sich zugetragen hatten, wann der Missbrauch in der Familie im Landkreis Kassel begann und wie alt die Schwestern zu dieser Zeit waren. Aspekte, die für die Strafzumessung wichtig sind. Am Ende wurde die Anklage in 252 Fällen fallen gelassen. Die Oberstaatsanwältin zu den Mädchen: „Ihr habt nicht gelogen, es ist beschränkt worden, um euch zu beschützen.“

38 Fälle von Kindesmissbrauch, darunter fünf schwere Taten, erachtete die 10. Strafkammer als bewiesen und stützte sich hierbei im Wesentlichen auf das Geständnis des Angeklagten. Der Kinderschänder soll mit seinen Stieftöchtern Oral- und Geschlechtsverkehr ausgeübt haben.

Der Stiefvater habe das Vertrauensverhältnis in der Familie ausgenutzt und deren Mutter sogar erst zu einem Zeitpunkt geheiratet, als der „fortwährende Missbrauch im Gange war“, sagte als Vertreter der Nebenklage Rechtsanwalt Marcus Mauermann.

Weil das ältere Mädchen sich einer Freundin anvertraute, kam der Missbrauch ans Licht. Der Mann zeigte sich, von der Mutter der Kinder zur Rede gestellt, selbst an. Das hielt das Gericht ihm bei der Strafzumessung zugute.

In einem Vergleich wurde darüber hinaus die Zahlung von 15.000 Euro Schmerzensgeld an die Mädchen vereinbart. Doch „was in ihren Seelen passiert ist, ist nicht aufzuwiegen“, betonte Boesken. (and)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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