Stadt und Kreis planen dennoch weitere Unterkünfte

Trotz sinkender Flüchtlingszahlen: Heime in Kassel gut gefüllt

Kassel. Derzeit kommen nicht mehr so viele Flüchtlinge in Kassel Stadt und Kreis an wie noch vor einigen Wochen. Wir geben einen Überblick über die aktuelle Situation in den Heimen.

Die Stadt

Ingesamt leben derzeit 2200 Asylbewerber in städtischer Unterbringung, die meisten davon in Gemeinschaftsunterkünften. Etwa 500 Flüchtlinge sind bereits in reguläre Wohnungen gezogen.

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Für das erste Quartal des Jahres hatte das Land Hessen der Stadt die Zuweisung von 766 neuen Flüchtlingen angekündigt. Tatsächlich werde man bis Ende des Monats insgesamt 611 Menschen aufgenommen haben, sagte Sozialdezernent Christian Geselle (SPD). Das sind 150 weniger als erwartet.

Während zuletzt jede Woche bis zu 80 neue Flüchtlinge nach Kassel kamen, so waren es in der vergangenen Woche ganze 30. Kommende Woche wurden der Stadt lediglich acht Neuankömmlinge angekündigt. Die Zuweisungszahlen für das zweite Quartal liegen noch nicht vor.

In den städtischen Gemeinschaftsunterkünften sind derzeit laut Geselle rund 200 Plätze frei. „Wir werden vorerst in keinen Engpass mehr geraten.“

An weiteren in Planung befindlichen Unterkünften halte die Stadt dennoch fest. Möglicherweise müsse man die Heime aber nicht mehr bis auf den letzten Platz belegen. Der Schwerpunkt der Anstrengungen verlagere sich jetzt auf die Vermittlung der Flüchtlinge in Wohnungen.

Der Landkreis

Auch im Kreis haben sich die Zuweisungszahlen seit vergangener Woche mehr als halbiert auf 40 bis 50 Menschen. „Wir können ein bisschen durchpusten“, sagte Sprecher Harald Kühlborn. Insgesamt ist der Kreis für 2800 Asylbewerber zuständig. Derzeit habe man in den Unterkünften freie Kapazitäten von 200 Plätzen. Falls die Zahlen wieder steigen sollten, sei man vorbereitet. Neue Unterkünfte werde man öffnen, sobald der Bedarf besteht.

Hintergrund

Viele freie Plätze in Erstaufnahmen

Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, werden sie zunächst auf die Bundesländer verteilt. Sie werden dort in einer Erstaufnahme-Einrichtung untergebracht. Später werden die Mesnschen weiterverteilt auf die Kommunen. Der Rückgang der Flüchtlingszahlen ist daher in den Erstaufnahmen schon deutlicher zu spüren als in den Kommunen. Denn wenn die Erstaufnahmen sich leeren, füllen sich in der Folge die Unterkünfte der Kommunen. Die Erstaufnahmen im Raum Kassel sind derzeit im Schnitt zu nicht einmal 50 Prozent ausgelastet.

Die Zahlen im Detail:

Stadt Kassel

• Landesfeuerwehrschule an der Dönche: 233 von 470 Plätzen belegt

• Lüttich-Kaserne auf der Marbachshöhe: 100 von 200

• ehem. Veterinäruntersuchungsamt, Druseltalstraße: 100 von 264

• Niederzwehren: 260 von 600

Landkreis

• Calden: 20 von 1500

• Fuldatal-Rothwesten: 300 von 500

• Beberbeck: 30 von 250

Statistik

Auf 100 Kasseler kommt ein Flüchtling

Knapp 2200 Asylbewerber leben derzeit in städtischer Unterbringung in Kassel (ohne die Erstaufnahmen des Landes). Das entspricht 1,08 Prozent der Gesamtbevölkerung. Auf Anfrage der HNA hat die Stadt eine Übersicht vorgelegt, wie die Flüchtlinge auf die einzelnen Stadtteile verteilt sind (siehe links). Mit Abstand am meisten Flüchtlinge leben demnach in der Südstadt – dort befindet sich mit Park Schönfeld (400 Plätze) das derzeit größte Wohnheim. 

Der Anteil der Flüchtlinge beträgt dort 5,25 Prozent. Mit über zwei Prozent Flüchtlingsanteil folgen Waldau und Nordshausen. Am wenigsten betroffen vom Flüchtlingszuzug ist der Stadtteil Wolfsanger. Dort lebt ein einziger Flüchtling (in einer Wohnung). Anteil: 0,01 Prozent. 500 Asylbewerber sind bereits aus den Gemeinschaftsunterkünften ausgezogen und leben in Wohnungen - mit Abstand die meisten davon (155) sind in der Nordstadt fündig geworden.

Rubriklistenbild: © dpa

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