Sie turnte für ihr Leben gern: Margarete Dietrich feiert 100. Geburtstag

Vor 99 Jahren: Margarete Hiller als Kleinkind mit ihren Tanten Gertrud (links) und Tessa Hiller. Repro: Oschmann

Kassel. Diesen Freitag feiert Margarete Dietrich bei guter Gesundheit ihren 100. Geburtstag im Wohnstift Augustinum.

„Es geht mit gut, ich habe keine Schmerzen und freue mich, dass ich heute 100 werde.“ Spricht‘s und lächelt zufrieden in die Runde. Margarete Dietrich schaut auf ein erfülltes Leben zurück, in dem ihr Beruf als Gymnastiklehrerin und Physiotherapeutin, vor allem der Umgang mit Kindern, zum Wichtigsten zählte.

Geboren in Berlin, wuchs das sportliche junge Mädchen mit den blonden Zöpfen bei den Großeltern und den beiden geliebten Tanten Tessa und Gertrud in Hannover auf. Die Familie führte ein Blumengeschäft, das die drei großen Hotels der Stadt versorgte, erinnert sich die alte Dame.

Schon als Schülerin des Ost-Oberlyzeums, das Margarete Hiller, wie sie damals hieß, bis zur mittleren Reife besuchte, turnte sie für ihr Leben gern. In Bremen absolvierte sie ihre Ausbildung zur Gymnastiklehrerin mit Schwerpunkt Kinder und Säuglinge. In Lehrgängen an der Kneipp-Gesundheitsschule in Boppard am Rhein bildete sie sich weiter und machte den Leistungsschein für Rettungsschwimmer.

In den 1930er-Jahren war sie im Emsland beim Reichsarbeitsdienst, wo ihr die Gemeinschaft, die Feldarbeit und der Frühsport mit anschließender Dusche gefielen, beschreibt die Jubilarin diese Zeit. Beim Reichsparteitag in Nürnberg habe sie mitgeturnt und einmal auch Adolf Hitler gesehen. „Er war damals faszinierend für viele von uns, später nur noch scheußlich“, stellt sie klar.

Die Großeltern starben, die Tanten, an denen sie so sehr hing, kamen im Luftschutzkeller um. „Ich habe sie noch gesehen, war tiefunglücklich, weil ich nun ganz allein war“, berichtet die alte Dame. Und bei der Erinnerung an diese doch nicht leichten Jahre steigen die Tränen auf.

Ihren ersten Mann Kurt Guderian, Sohn des Panzergenerals Heinz Guderian, traf sie 1944 in Berlin und heiratete ihn noch im selben Jahr. Das Ehepaar zog nach Bremen, die Ehe wurde später geschieden. Dann ging Margarete, inzwischen ausgebildete Physiotherapeutin, nach Kassel und eröffnete an der Lassallestraße ihre Praxis, die sie 32 Jahre lang führte. Hier heiratete sie ihren zweiten Mann und Kollegen Otto Dietrich. Er starb 1994.

1995 veränderte eine „Kellerbekanntschaft“ ihr Leben. Beim Umzug begegnete ihr nämlich im Keller Rita Gundrum-Süße, die seitdem zur engsten und liebsten Freundin wurde und heute Dietrichs Betreuerin ist.

Seit 2000 lebt die Seniorin im Wohnstift Augustinum. Vor allem Ausflüge mit Rita und deren Partner, Mandala-Malen, „gute Krimis“ und ein bisschen Fernsehen machen der Jubilarin, die früher Flöte spielte und gern handarbeitete, heute Freude.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.