Trotz Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg gibt es in Kassel viele Reste alter Architektur

Überbleibsel der alten Stadt: Reste alter Architektur in Kassel

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Nummer 1: Blieb erhalten: Neben dem Barockportal des Dörnbergschen Hauses überstand auch das Renaissancetreppenhaus die Bombennacht am 22. Oktober 1943.

Kassel. In der Kasseler Bombennacht am 22. Oktober 1943 wurde ein Großteil der alten Stadt ausgelöscht. Neben komplett erhaltenen Gebäuden gibt es aber auch etliche kleine Überbleibsel alter Architektur. Einige Beispiele.

Die von Fachwerkbauten geprägte Altstadt ist in der Bombennacht untergegangen. Doch selbst dort haben architektonische Zeugnisse der Vorkriegszeit das Inferno überstanden. Die folgenden Beispiele haben wir mit dem Architekturhistorikers Dr. Christian Presche zusammengetragen:

Nummer 1: Um 1600 erbaut: Das Dörnbergsche Haus am Martinsplatz.

Fragmente sind etwa von dem um 1600 erbauten Dörnbergschen Haus (Nummer 1, Martinsplatz 2) gegenüber der Martinskirche erhalten. Sowohl das Barockportal wie auch das alte Treppenhaus des einst prächtigsten Hauses am Platz stehen noch. Seinen Namen erhieltdas Haus, als es der landgräfliche Rat und Rentkammerpräsident Johann Caspar von Dörnberg 1666 erwarb. Von 1767 an war es Gouvernementsgebäude, in dem nacheinander mehrere Stadtkommandanten wohnten.

Ab 1832 beherbergte das Haus die Polytechnische Schule, eine naturwissenschaftlich-technische Hochschule.

Nummer 1: Steht bis heute: Das Säulenportal des Dörnbergschen Hauses.

1838 wurde in Erwägung gezogen, das Haus zum Kasseler Rathaus umzubauen. Das Gebäude blieb aber Polytechnikum bis 1864, von da an war es in Privatbesitz. Nach seiner Zerstörung wurde hinter dem erhaltenen Portal ein Neubau (Wohnhaus) errichtet.

Nummer 2: Die damalige Marktgasse: Das Portal links im Bild steht bis heute, allerdings am Graben.

An der damaligen Marktgasse 17 (Nummer 2) stand einst ein prächtiger Barockbau, der um 1700 gebaut wurde. Heute steht nur noch das Portal, das an die Straße „Graben 20“ versetzt wurde. Die Marktgasse ist beim Wiederaufbau der Altstadt verschwunden. Erbaut wurde das Hausan der Marktgasse 17 durch Georg Dumont. Kurz zuvor (1697) war dieser zum Kommandanten von Kassel ernannt worden. Das Portal erinnert noch heute an den Beruf seines Erbauers: Es zeigt Fahnen, Lanzen, Speere und Kanonen.

Nummer 2: Am Graben: Dieses Portal wurde einige Meter vom Standort des ehemaligen Hauses versetzt.

Ab 1804 war das Gebäude im Besitz des Oberhof- und Kammeragenten Moses Jos. Büding. Später gehörte es einer Bankiersfamilie. Bis zum Krieg befand sich in dem Gebäude ein Kurzwarengeschäft.

Nummer 3: Marställer Platz: Der Torbogen gehörte zum Haus das links direkt an den Marstall (heute Markthalle) angrenzt.

Das Grundstück Marställer Platz 9 (Nummer 3) gehörte einst zum Hof der Adelsfamilie von Scholley. Philipp von Scholley ließ hier um 1605 einenNeubau errichten. Seit ihrer Zulassung 1731 hielt die Lutherische Gemeinde Kassels im Scholleyschen Hof ihre Gottesdienste ab und erwarb ihn 1733. Das Gebäude am Marställer Platz 9 blieb erhalten und wurde als Pfarrhaus genutzt.

1943 brannte das Gebäude aus und wurde bis auf das Portal abgebrochen. Dieses steht heute vor dem Treppenaufgang zum Markthallenvorplatz.

Nummer 3: Aufgang zum Markthallenvorplatz: Dieses Portal gehörte einst zum Scholleyschen Hof.

Auch wenn außerhalb der Altstadt deutlich mehr Gebäude die Bombennacht überstanden haben, war auch hier die Zerstörung groß. Genauso wie in der Altstadt sind von einigen Gebäuden nur noch Fragmente in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Dazu zählen Hauseingänge undSockel.

Nummer 4:  Erdgeschoss und Tür erhalten: Haus Nahlstraße 2

Ein Beispiel findet sich an der Nahlstraße 2 (Nummer 4, zwischen Königstor und Wilhelmshöher Allee). Das Gebäude wurde um 1904-06 fürden Juristen Dr. Carl Hütterott als Reihenvilla errichtet. Im Krieg brannte das Haus aus. Die Ruine Nahlstraße 2 wurde von Kurt Bülow erworben, der darin eine Sauna eröffnete und in den 50er-Jahren über dem verbliebenen Gebäudesockel einen Neubau errichtete.

Nummer 5: Hinterhaus steht noch: Die Ruinen der Vorderhäuser der Hohenzollernstraße (Friedrich-Ebert-Straße) wurden gesprengt.

Ein interessantes Beispiel ist vom Parkplatz Hinter der Komödie aus zu sehen. Während fast die gesamte Hohenzollernstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße) in diesem Abschnitt im Krieg zerstört wurde, hat ein kleines Hinterhaus den Bombenhagel überstanden. Es gehörte zum Gebäude Hohenzollernstraße 31 (Nummer 5) und wurde um 1900 erbaut. Im Vorderhaus befand sich ab 1886 eine Apotheke – das Hinterhaus diente als Nachtdiensthaus der Apotheke. Nachdem das Vorderhaus in der Bombennacht ausgebrannt war, wurde dessen Ruine bald darauf gesprengt, wie die gesamten Häuserzeilen der Hohenzollernstraße bis zur Annastraße.

presse-box
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In Kassel sollte in der Innenstadt unbedingt dahin gearbeitet werden, dass ein Viertel Altes Kasel wieder rekonstruiert wird. Beispiel: Friedrichsstrasse oder rings um den Dom / Martinskirche. Hier könnte man doch die Inhaber der Gebäude dazu hinbringen, dass die Fassaden wieder rekonstruiert werden. Das würde dem alten Kassel wieder ein Stück Seele zurückgeben. Kassel braucht das. Hier sollte es einen Arbeitskreis mit den Gebäudeinhabern geben und versucht werden, Gebäude für Gebäude aufzuwerten. An sich ist es um der Martinskirche schön, aber etwas Altstadt könnte wieder aufgebaut werden. Wenigstens die Fassaden. Das müsste sogar mit Zuschüssen gehen. Das nenne ich mal Stadterneuerung, anstatt z.B. die Wilhelmshöher Allee umzubauen und dafür von der EU Gelder zu erhalten. Als ersten Projekthaus: Das Dörnbergsche Haus am Martinsplatz.

ExilmelsungerAntwort
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Dies ist nur eine kleine Auswahl, ich selbst habe mal für einen blogartikel Fotos gemacht und musste am Ende eine Auswahl treffen, da ich zu viele Fotos hatte.
Kassel hat zahlreiche Barocke prägende Gebäude und Parkflächen, die Kassel zu einer der grünsten Großstädte Deutschlands machen.
Einige wenige Gebäude sowie Gebäudereste sind sogar noch älter.
Nach dem Krieg und der großflächigen Zerstörung war vorallem schneller Wiederaufbau notwendig um Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen für die Menschen, auch diese Phase von Kassels Geschichte ist in der Innenstadt präsent und gut zu sehen.
Ebenso schafft Kassel es aber auch eine moderne Stadt zu sein und einige "Bausünden" der Vergangenheit wurden ersetzt durch moderne Gebäude die Wert auf Form und Funktion legen, während andere noch da sind.
Übrigens kann ich mit nicht mehr als 3 Strassenquerungen von der Fuldaaue über die Innenstadt bis nach Fuldabrück wandern, dabei mittags in der Fussgängerzone essen (Kassel hatte übrigens die erste deutsche Fußgängerzone überhaupt) den Königsplatz sehen und mich 80% der Zeit am Fuldaufer oder in Grünanlagen bewegen....ich glaube nicht das viele andere Städte für Fußgänger so attraktiv sind wie Kassel es ist.
Eine weitere Verdichtung der Innenstadt würde lediglich dazu führen die Vielfalt der Stadtgeschichtlichen Epochen durch moderne vereinheitlichte Bauten zu überdecken, ich finde aber das gerade diese Vielfalt den besonderen Charme Kassels ausmacht und auch wenn er nicht gerade freiwillig erworben wurde sollte Kassel doch zu sich selbst stehen und ihn nicht versuchen zu verdecken.

kekos
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Von 'vielen Resten' zu sprechen, scheint angesichts des Wenigen, das gezeigt werden kann, übertrieben. Trotzdem, vielen Dank für die Hinweise auf Gebäude, die in der Zeit, als sie gebaut wurden, die Bedürfnisse und den Status ihrer Erbauer reflektierten.

Unsere jetzige denkmalsgeschützte Innenstadt reflektiert leider vor allem den Bedarf an billigem, praktischem Wohnraum der Nachkriegszeit. Für die Nachwelt und vor allem für Kassel-Touristen ist das leider ein bisschen wenig. Man sollte den Mut zur Rekonstruktion einiger historischer Bauten haben (Brüder-Grimm-Haus z.B.), das Stadtzentrum wieder stärker verdichten (aufstocken und einen Teil der großen Innenhöfe bebauen) und einige innenstädtische Straßenzüge geeigneter für Fußgänger machen, auch wenn es den Straßenverkehr komplexer macht.

Kommentare

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