6,5 Kilogramm Heroin ein

Überraschende Wende im Schmuggel-Prozess: Dealer sind geständig

Kassel. Mit einer überraschenden Wendung ist gestern das Verfahren gegen drei mutmaßliche Drogenschmuggler aus Kassel vor dem Landgericht fortgesetzt worden.

Die beiden 39 und 28 Jahre alten Hauptangeklagten gestanden, bei insgesamt vier Fahrten nach Rotterdam insgesamt 6,5 Kilogramm Heroin nach Kassel gebracht zu haben.

Bisher hatten die beiden Kosovaren den Drogenschmuggel von November 2014 bis Januar 2015 geleugnet. Jetzt ließ der ältere Angeklagte über seinen Verteidiger mitteilen, dass er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang gesteht. Der dritte Mann auf der Anklagebank, ein 26-jähriger in Kabul/Afghanistan geborener Deutscher, hatte gleich zu Beginn des Prozesses gestanden, bei vier Transportfahrten als Kurier gedient zu haben. Mit dem versprochenen Lohn von 1700 Euro wollte der Student seine Pokerschulden bezahlen. Beim letzten Transport im Januar dieses Jahres hatte die Polizei den Drogenschmuggel längst auf dem Schirm. Das Trio wurde in einer Wohnung im Brückenhof festgenommen, 1,5 Kilogramm Heroinzubereitung wurden sichergestellt. Die beiden Kosovaren sitzen seitdem in Untersuchungshaft in Wehlheiden.

Gestern wurde ein 41-jähriger Türke, der den Angeklagten in Rotterdam das Heroin übergeben haben soll, als Zeuge gehört. Er leugnete, an dem Deal beteiligt gewesen zu sein, er kenne die Angeklagten gar nicht. Ihm wird in Frankfurt der Prozess gemacht, auch er sitzt in Untersuchungshaft. Für alle Prozessbeteiligten überraschend kam dann das umfassende Geständnis des 39-jährigen Beschuldigten. Ja, es sei seine Stimme bei den von der Polizei abgehörten Telefongesprächen, gestand er. Er habe auch von den Schulden des Studenten gewusst und ihn daher für die Kurierfahrten angeheuert.

Das Heroin sei in Rotterdam zum Kilopreis von 8000 Euro gekauft und dann gestreckt worden. In Kassel wurde es dann für 13.000 Euro pro Kilo weiterverkauft. Er und sein jüngerer Kumpane hätten den Stoff an ihre Kunden im Raum Kassel verkauft, gestand er weiter. Jetzt seien sie auch bereit, ihr Abnehmer zu benennen. Zu den Telefonaten wollte sich der 39-Jährige nicht näher äußern: „Ich war eigentlich immer besoffen“, sagte er.

Erdrückende Beweislast

Staatsanwalt Ernst führte den Meinungsumschwung der Angeklagten auf die erdückende Beweislast zurück, die im Verfahren deutlich geworden sei. Mit der näher rückenden Verurteilung wollten die Angeklagten den Boden für ein milderes Urteil bereiten.

Möglicherweise hoffen sie sogar, wenn sie mit den Junkies jetzt das letzte und schwächste Glied in der Drogenkette ans Messer liefern, mit dem Paragraphen 31 des Betäubungsmittelgesetzes die Kronzeugenregelung beanspruchen zu können. Dafür müssten sie neue Namen nennen, was sie jetzt wohl mit ihren „Kunden“ auch tun wollen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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