Fragen und Antworten zur angestrebten Gründung einer Medizinhochschule in Kassel

Uni-Klinik sorgt für Ärzte-Nachwuchs

Kassel. Unter dem Dach der Gesundheit Nordhessen Holding AG soll künftig das Studium der Humanmedizin am Kasseler Klinikum möglich sein. Fragen und Antworten zur „Kassel School of Medicine“ (KMS).

? Ist das schlicht Größenwahn oder gibt es triftige Gründe für die Gründung einer Medizinhochschule?

!Alle Krankenhäuser haben inzwischen Probleme, gut ausgebildete Ärzte zu finden. Holding und Klinikum setzen darauf, dass viele der künftigen Studenten nach ihrem Abschluss in Kassel bleiben. Zudem würde das führende nordhessische Krankenhaus zur Uni-Klinik. Das macht das Kasseler Klinikum attraktiv für hochqualifizierte Chefärzte, die auch in Forschung und Lehre tätig sein wollen.

? Wird es überhaupt genügend Interessenten für das Studium geben?

!In Deutschland gibt es vier bis fünf Bewerber auf jeden Medizin-Studienplatz. An der Partner-Uni in Southampton kommen auf einen Studienplatz sogar annähernd 20 Bewerber. Um mangelnde Nachfrage muss sich da niemand sorgen.

? Ist das Studienangebot mit Kosten von 12 000 Euro pro Jahr nicht viel zu teuer?

!Das auf fünf Jahre verkürzte private Studium kostet 60 000 Euro und ist damit deutlich teurer als ein sechsjähriges Studium in Marburg oder Göttingen, wo Studienbeiträge und Semestergebühren etwa 15 000 Euro kosten. Im sechsten Jahr arbeiten die KMS-Studenten aber bereits als bezahlte Ärzte und holen damit die höheren Studiengebühren schon in einem Jahr locker wieder herein.

? Ist eine winzige Uni mit nur 120 Studenten überhaupt sinnvoll?

!Das Klinikum wird keine kleine Uni, sondern ein großes Lehrkrankenhaus. Die ersten beiden Jahre studieren die angehenden Ärzte an der Uni in Southampton, dann folgen drei Jahre am Kasseler Klinikum. Die Einrichtungen und Angebote der Universität Kassel können von den Medizinstudenten mitgenutzt werden.

? Werden die Abschlüsse in Deutschland überhaupt anerkannt?

!Wir leben in Europa. Viele deutsche Ärzte arbeiten bereits in England. Das englische Medizinstudium ist in Deutschland anerkannt. Wenn die Absolventen ihre englische „Full Registration“ erhalten haben, ist damit die volle Approbation bei uns möglich.

?  Was kostet denn die Gründung der Medizinhochschule und gibt es Risiken?

!Die Studiengebühren allein reichen dafür nicht aus. In den ersten fünf Jahren muss die Holding für die Anlaufverluste von etwa 800 000 Euro im Jahr geradestehen. Wenn alles schiefgeht, könnten auf die fünf Jahre gesehen bis zu vier Millionen Euro futsch sein. Aber die Risiken werden als gering eingeschätzt, weil alle Beteiligten die beispielhafte Zusammenarbeit zum Erfolg bringen wollen.

? Was wird dann aus der Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum und Uni Marburg?

!Das Kasseler Klinikum ist akademisches Lehrkrankenhaus der Marburger Hochschule. Die Uni schickt aber immer weniger Studierende zur Praktikumsphase nach Nordhessen. Früher waren das jährlich bis zu 80 angehende Ärzte, heute sind es nur noch annähernd zehn im Jahr, weil Marburg erst mal den eigenen Bedarf decken will. Das sorgt am Klinikum für Probleme, die man mit der angestrebten neuen Kooperation mit der Uni Southampton lösen will. Kommt die neue Partnerschaft zustande, wird Marburg vermutlich den Vertrag mit dem Lehrkrankenhaus Klinikum auflösen. Dafür würde Kassel aber künftig über eine Uni-Klinik verfügen.

Von Jörg Steinbach

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