Probeweise Gemeinschaftsklos für Männer, Frauen, Trans- und Intersexuelle

Unisex-Toiletten an der Uni Kassel: Griff ins Klo oder eine gute Idee?

Neue Toilettenbeschilderung: An der Uni Kassel können zunächst eine Woche lang mehrere Toiletten von Männern wie Frauen genutzt werden. Die Aufteilung nach Geschlechtern wurde zugunsten einer geschlechtsneutralen Beschriftung aufgehoben. Foto: Ludwig

Kassel. Aus Versehen auf die falsche Toilette zu gehen, das ist an vielen Standorten der Kasseler Universität momentan nicht möglich.

Denn an der Hochschule wird eine Woche lang die „All Gender Welcome“-Toilette erprobt. Dahinter verbirgt sich ein WC, das für jeden zugänglich ist – unabhängig vom Geschlecht. Mit der Aktion will der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) auf die Diskriminierung von Menschen aufmerksam machen, die sich der klassischen Geschlechtereinteilung Mann / Frau nicht zugehörig fühlen.

Asta will Klos dauerhaft

Die Uni-Leitung hat der zunächst begrenzten Aktion zugestimmt. Der Asta fordert aber, dass über die Aktionswoche hinaus an allen Standorten der Hochschule Toiletten angeboten werden, die nicht mit der Unterscheidung für Männlein und Weiblein gekennzeichnet sind. Denn solche Klos würden immer wieder zu Ausschlüssen, Diskriminierungen und unangenehmen Situationen für Personen führen, die nicht der zweigeschlechtlichen Norm entsprechen, teilt Asta-Sprecherin Raphaela Becker mit.

Gemeint sind Trans- und Intersexuelle, also Menschen, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren können (transsexuell) beziehungsweise genetisch beide Geschlechter in sich tragen (intersexuell). Neben der Unterstützung für diese Gruppen soll die Aktion auch behinderten Menschen dienen, für die es keine nach Geschlechtern getrennten WCs gibt. Auch deren Recht auf geschlechtlich zugeordnete Toiletten müsse gewahrt werden.

Die Idee für die ungewöhnliche Aktion stammt nicht aus Kassel. Sie ist Teil einer bundesweit geplanten Aktion an deutschen Hochschulen. Initiiert wurde sie von der Bundeskonferenz der schwulen, schwul-lesbischen und queeren Referate.

In Kassel wurden dafür die Beschriftungen mehrerer Toiletten – vor allem am Standort Holländischer Platz – geändert. Statt „Männer“ und „Frauen“ steht dort nun „Sitzklos & Stehklos“. In den Toiletten weisen Schilder darauf hin, dass diese Klos für alle Geschlechter offen stehen.

Der Asta will den Kampf für die Rechte aller Geschlechter aber nicht nur in den Sanitäranlagen austragen. Er fordert von der Uni-Leitung zudem eine kritische Auseinandersetzung mit einer Geschlechterordnung, die allein auf der Unterscheidung Mann / Frau basiert. Ergebnisse der Geschlechterforschung müssten zu einem „festen Bestandteil in der Organisation, im Studium und in der Lehre“ werden.

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