Autos aus Holz: Rohstoff hat großes Potenzial im Fahrzeugbau

Extrem biegsam: Durch das Verleimen von Furnieren und Textilschichten lässt sich aus Holz ein flexibles Material machen. Hier ein Versuch auf dem Prüfstand. Foto: Uni Kassel

Kassel. Autos aus Holz sind nicht nur in Kinderzimmern ein Thema. Auch beim Bau richtiger Fahrzeuge spielt der Rohstoff eine Rolle. Die Uni Kassel erforscht, wie Konzerne Holz bei der Fertigung einsetzen können.

Seit 2012 forschen Maschinenbau-Ingenieure der Uni Kassel daran, wie Automobilkonzerne Holz bei der Fertigung einsetzen können. Die Vorteile sind ökologischer und wirtschaftlicher Natur: Holz ist nachhaltig und bei der Produktion wird deutlich weniger Energie verbraucht und CO2 ausgestoßen als bei der Herstellung von Stahl oder faserverstärkten Kunststoffen.

Daniel Kohl

Prof. Stefan Böhm vom Fachgebiet für Trennende und Fügende Fertigungsverfahren erzählt, dass die Skepsis in der Automobilindustrie zunächst groß war. Zuletzt spielte Holz im Fahrzeugbau in den 1920er-Jahren eine größere Rolle. Damals wurden Karosserien aus dem Rohstoff gefertigt. Auch im Trabant steckten Holzfasern - weshalb er als „Rennpappe“ verspottet wurde.

Anders als beim Trabi soll das Holz aber nicht in Faserform zum Einsatz kommen. „Wir verwandeln den Rohstoff in einen Hightech-Werkstoff“, sagt Projektleiter Daniel Kohl. Um heutigen Ansprüchen zu genügen, muss Holz mit anderen Materialien kombiniert werden und eine gleichbleibende Qualität haben. So entwickelten die Kasseler Forscher ein „holzbasiertes Multimaterialsystem“, wie sie es nennen.

Weil Holz natürlichen Qualitätsschwankungen unterliegt, wird es in dünne Holzfurniere verarbeitet und in mehreren Schichten verklebt.

Zum Einsatz kommt Buchenholz, weil dies ausreichend und in benötigter Qualität vorhanden ist und nicht harzt. Optimiert werden können die Holzfurniere durch Metallfolien oder Lagen von technischen Textilien. Die Belastungsgrenzen können so den Erfordernissen des jeweiligen Bauteils angepasst werden. Möglich ist es so, extrem biegsames Material zu erhalten oder festes oder eines mit einem optimierten Crashverhalten.

„Zum Teil können wir mit holzbasierten Multimaterialsystemen ähnliche Eigenschaften erreichen wie mit Stahl oder faserverstärkten Kunststoffen“, sagt Kohl. Allerdings seien Bauteile aus Holz nicht überall im Auto einsetzbar, weil es in der Regel mehr Volumen benötige, um bestimmte Eigenschaften zu erfüllen. Für die Außenhaut eines modernen Autos sei es ungeeignet. Dafür bringe Holz eine Gewichtsersparnis gegenüber Stahl.

Kein Problem sei hingegen die Beständigkeit, sagt Prof. Böhm. Das Holz könne so behandelt werden, dass Feuchtigkeit ihm wenig anhaben könne und zudem schwer entflammbar sei. „Holz kann Erstaunliches leisten. Wir brauchen Mut, es als Werkstoff weiterzuentwickeln. Bis sich Innovationen im Automobilbau durchsetzen, dauert es in der Regel eine ganze Weile“, so Prof. Böhm.

Das Forschungsprojekt läuft Ende 2015 aus, es gibt aber ein Folgeprojekt. Dabei sei ein Nutzfahrzeughersteller mit im Boot, so Böhm. Auch VW habe Interesse gezeigt.

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