Panne in Uni-Bibliothek: Hunderte Nutzer erhielten falsche Mahnungen

Ruhe bewahren: Hunderte Nutzer der Uni-Bibliothek haben am Mittwoch durch eine technische Panne falsche Mahnungen für Bücher bekommen. Archivfoto: Fischer

Kassel. Massenhaft verschickte falsche Mahnungen der Universitätsbibliothek (UB) haben vielen Kasseler Studenten einen Schrecken eingejagt.

Hunderte Nutzer erhielten in der Nacht zu Mittwoch eine E-Mail, in der sie aufgefordert wurden, Mahngebühren zu begleichen - einige davon in Höhe von 50 Euro und mehr. Die genaue Zahl der Betroffenen wollte die Uni-Bibliothek gegenüber der HNA nicht nennen. Nutzer bekamen in der Bibliothek die Auskunft, dass 1200 falsche Mahnungen herausgegangen seien.

Lehramtsstudent Lukas Kiepe war am Mittwochmorgen schlagartig hellwach, als er seine E-Mails checkte. Darunter eine Mahnung über 15 Euro für fünf angeblich nicht fristgerecht zurückgegebene Bücher. „Erst mal habe ich in meinem Zimmer panisch nach den Büchern gesucht“, sagt der 23-Jährige. „15 Euro sind für mich viel Geld - davon kann ich eine Woche lang in der Mensa essen.“ Dann fiel ihm auf, dass das in der E-Mail vermerkte Rückgabedatum bereits im November verstrichen war und er die Bücher längst abgegeben oder verlängert hatte. Als der Student online in seinem Nutzerkonto nachsah, waren dort keine Bücher angemahnt. „Da wurde mir klar, es kann etwas nicht stimmen.“

In der Bibliothek war die Bestürzung groß, als die Panne am Mittwochmorgen auffiel. Über Facebook und auf der Internetseite habe man sofort über den Fehler informiert und um Entschuldigung gebeten, berichtet Bibliothekarin Simone Baum. Zudem habe man alle fünf Telefone im Nutzerservice besetzt, um Anfragen zu beantworten. „Die Kollegen haben den Hörer kaum aus der Hand gelegt“, sagt Baum. An den Info-Theken in der Bibliothek standen verunsicherte Nutzer Schlange. Die Betroffenen hätten erleichtert und fast ausnahmslos verständnisvoll reagiert, so Baum.

Inzwischen hat die UB alle Betroffenen zudem mit einer zweiten E-Mail über die Panne informiert. Zu dem technischen Fehler war es bei Hintergrundtests zu den Selbstbedienungs-Angeboten der Bibliothek gekommen, berichtet Dr. Matthias Schulze, Leiter der Digitalen Bibliotheksdienste. Man bereite derzeit eine Ausweitung dieser Funktionen vor und führe daher Tests durch, von denen die Nutzer eigentlich nichts mitbekommen sollten. „Dass der Fehler diese Konsequenzen haben würde, war nicht absehbar“, sagt Schulze, der übrigens selbst auch eine falsche Mahnung erhalten hat.

Der Fehler wirkte sich nur auf den Versand fehlerhafter Mahnbescheide aus. In den Online-Nutzerkonten der Leser werden der aktuelle Stand der Entleihung und eventuell angemahnte Bücher korrekt angezeigt. Wer eine Mahnung erhalten hat, sollte also als Erstes sein Nutzerkonto überprüfen. Nur wenn dort überschrittene Leihfristen angezeigt sind, ist wirklich eine Mahngebühr fällig.

Kontakt: Nutzerservice der UB Kassel, Tel. 0561 804-2108, E-Mail: nutzerservice@bibliothek.uni-kassel.de

Hintergrund: 27.000 Nutzer aus Uni und Region

Die Universitätsbibliothek Kassel hat über 27.000 aktive Nutzer. Neben Studenten und Universitätsangehörigen nutzen auch rund 12.000 Externe die Bibliothek. Im Jahr werden mehr als eine Million Bücher und andere Medien ausgeliehen - im Schnitt leiht jeder Nutzer 43 Titel pro Jahr aus. Wer ein Buch ausgeliehen hat und es nicht innerhalb der Leihfrist zurückgibt, muss in der ersten Woche drei Euro Mahngebühr pro Buch zahlen. In der zweiten Woche werden sechs Euro fällig, ab der dritten Woche müssen zwölf Euro pro Buch bezahlt werden. Drei Tage vor Ablauf der Leihfrist erhalten die Nutzer eine Erinnerungsmail.

An normalen Tagen verschickt die Bibliothek 100 bis 200 Mahnbescheide an säumige Nutzer.

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