Sie hören aus gesundheitlichen Gründen auf

Abschiedsfest für Ladenbetreiber im Blücherviertel

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Dankeschön-Party am letzten Öffnungstag: Von links die Musiker Andreas Süßenguth und Christine Götzfried, Laden-Unterstützerin Alma Klein, die scheidenden Betreiber Makbule und Hüseyin Turan, Kunde Andreas Bilger mit Hund Arpad, Ortsvorsteher Joachim Schleißing und Musiker Jörg Götzfried.

Unterneustadt. Zum fröhlich-geselligen Stadtteilfest wurde ein eigentlich trauriger Anlass am Samstag im Unterneustädter Blücherviertel: Die Betreiber des kleinen Nachbarschaftsladens an der Ecke Blücher- und Körnerstraße müssen aus Gesundheitsgründen aufgeben.

Zum letzten Öffnungstag hatten Quartiersbewohner für die beliebten Kaufleute eine Ausverkaufs- und Unterstützungsparty samt Musikprogramm organisiert. 

Während im Laden die Regale solidaritätsmäßig leergekauft wurden, versammelte sich draußen an Biertischen eine Menschentraube aus Nachbarn und treuen Kunden. Kuchen und Salate wurden herbeigetragen, zusammen mit Jörg und Christine Götzfried („Dylans’s Dream“) sowie Andreas Süßenguth stimmte die Menge das „Unterneustadtlied an“. Klangstark marschierte dann die Brass-Band „Blech und Schwefel“ zu einem Platzkonzert herbei: Die Musiker hatten eigens einen Song für den Laden von Hüseyin und Makbule Turan getextet.

Die scheidenden Inhaber wurden mit guten Wünschen und kleinen Geschenken überhäuft:. „Ihr fehlt uns jetzt schon“, stand auf einer von vielen Abschieds-Grußkarten. Hüseyin Turan war gerührt über so viel Wertschätzung: „Das ist unsere große Familie im Blücherviertel“, sagte er.

Derzeit steht noch nicht fest, ob und mit welchem Konzept der kleine Laden weiterbetrieben wird. Es hätten sich aber mehrere Interessenten erkundigt, berichtete Makbule Turan. Sie habe die Fragesteller an die Vereinigten Wohnstätten 1889 als Eigentümer der Ladenfläche verwiesen. Zunächst steht nun aber eine unbestimmte Schließungszeit bevor.

Zehn Jahre lang hatten das Engagement der Eheleute Turan und der Nachbarscharschaftsgeist der Unterneustädter in einem schwierigen Geschäftsumfeld gut zusammengepasst. „Die Beiden haben das mit sehr viel Herz gemacht“, bescheinigte ihnen Ortsvorsteher Joachim Schleißing unter Applaus. Als Treffpunkt im Stadtteil und auch als Umschlagplatz für Informationen aller Art habe der Laden eine weit wichtigere Bedeutung, als seine geringe Größe vermuten lasse.

Neben allen wichtigen Artikeln für den täglichen Bedarf hatten Turans auf Wunsch ihrer Kunden auch ein beachtlich breites Sortiment mit Bio-Lebensmitteln von regionalen Erzeugern organisiert. Dafür revanchierten sich mehrere Dutzend Stammkunden, indem sie die Ladenbetreiber mit einem Abo-System unterstützen und einen monatlichen Betrag vorab als Einkaufsguthaben überwiesen.

Künftig wollen Turans einen Teil des Jahres an der türkischen Ägäis verbringen - manch bisheriger Stammkunde hat dort bereits seinen Besuch angekündigt. Zum Monatsende müssen die scheidenden Betreiber den Laden nun ausgeräumt übergeben. Auch dabei können sie auf tatkräftige Nachbarschaftshilfe zählen: Beim Abschiedsfest kursierte eine Liste, auf der sich schon freiwillige Helfer eingetragen haben.

Abschiedsparty am Nahkauf-Laden im Blücherviertel

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