Karl-Branner-Brücke in Kassel bekommt einen Anti-Rutsch-Belag

Grundreinigung vor der Anti-Rutsch-Sanierung: Heinrich Diez spritzt die Brückenbohlen aus Tropen-Hartholz mit einem Hochdruckreiniger ab. Fotos: Fischer

Unterneustadt/Mitte. Viele Passanten auf der Karl-Branner-Brücke kennen das Problem: Bei Winterglätte und nassem Wetter wird der hölzerne Brückenbelag so rutschig, dass Fußgänger immer wieder stürzen. Das soll sich jetzt ändern. 

Seit Montag sind Arbeiter dabei, die Holzbohlen mit einem Anti-Rutsch-Belag zu versehen. Die wichtige Fußgängerpassage wird täglich nicht nur von Unterneustädtern auf dem Weg in die Innenstadt benutzt, sondern auch von zahlreichen Berufspendlern, die ihre Autos außerhalb der innerstädtischen Gebührenzone parken.

Schon im ersten Winter nach dem Brückenbau im Jahr 2000 war das Glätteproblem offenbar geworden. Seither streut die Stadt jeden Winter stattliche Mengen Splitt auf den Brückenbelag aus Bongossi-Hartholz, was das Problem aber nut unzureichend löst: Es dauert nicht lang, bis die meisten Steinchen durch die Ritzen in die Fulda gefallen sind.

Bis Mitte August wird die Brücke halbseitig gesperrt. Am Zisselwochenende ist sie offen.

Bis Mitte August soll das Problem nun gelöst werden, wobei der Brückenbelag erhalten und die Holzoberfläche sichtbar bleibt. Das funktioniert so: Zurzeit wird der Holzbelag von Arbeitern der Fachfirma Schmees & Lühn aus dem Emsland gereinigt. Jede der Holzbohlen hat sechs Längsfugen. Jeweils zwei davon, so erläuterte Mitarbeiter Nikolai Schneberger, werden an Ort und Stelle V-förmig nachgefräst. Dort hinein kommt dann ein Epoxidharzgemisch, das mit Quarzsand bestreut wird. Beim Aushärten verbinden sich beide schichten und bilden so gleichmäßige Anti-Rutsch-Streifen auf dem Brückenbelag.

Die Arbeiten sollen bis Mitte August dauern. Bis dahin ist die Brücke jeweils halbseitig gesperrt - momentan die Seite in Richtung Drahtbrücke und Rondell. Wenn dort am letzten Juliwochenende der Zisselhäring aufgehängt wird, werde die Brücke vorübergehend komplett freigegeben, sagte Binasa Bidzan-Cornelius vom städtischen Straßenverkehrs- und Tiefbauamt: „Während des Zissels und besonders zum Wasserfestzug können wir uns hier keine Sperrung erlauben.“

Dieses Verfahren der Anti-Rutsch-Sanierung gebe es erst seit wenigen Jahren, sagte Bidzan-Cornelius, die bei der Stadt für Brückenunterhaltung zuständig ist. Um die Branner-Brücke schon früher rutschsicher zu machen, „hätten wir zu wesentlich höheren Kosten den ganzen Belag austauschen müssen“. Die nun gewählte Methode koste 70 000 Euro und biete „maximale Wirkung bei minimiertem Aufwand“.

Beim Bau der Brücke vor 16 Jahren als Anbindung zur wiedergegründeten Unterneustadt hätten vor allem ästhetische Belange eine Rolle gespielt, sagte die Ingenieurin: „Holz ist eben rutschig - aber auch einer der schönsten Baustoffe.“

Neuerdings baue die Stadt beim Bau oder bei der Grundsanierung von Holzbrücken gleich Bohlen ein, die ab Werk mit solchen Anti-Rutsch-Streifen präpariert sind - so geschehen bei der neuen Brücke an der Seglergaststätte oder bei der Passage rund um das Rondell.

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