Unternehmen sieht großen Bargeldbedarf im Umfeld

Bares auch für Bordell-Besuch: Geldautomaten am Großen Kreisel aufgestellt

Geldautomat am Großen Kreisel: Am Haus Schwanenweg 3 bis 7 hat Euronet zur Bargeld-Versorgung im Bereich rund um den Platz der Deutschen Einheit diesen Bankomaten aufgestellt. Foto: Steinbach

Kassel. Ein Geldautomat am Verkehrskreisel sorgt bei Autofahrern am Platz der Deutschen Einheit für Verwunderung.

Denn Bargeld braucht nicht unbedingt, wer über den Großen Kreisel in der Unterneustadt fährt. Des Rätsels Lösung: Der Automat dient offenbar auch der Bargeld-Versorgung von Besuchern nahe gelegener Bordelle.

An der Häuserzeile Schwanenweg 3 bis 7 steht der bestens gesicherte Automat an der Hauswand. „Bei Angriff wird der Inhalt vernichtet“, steht auf dem Bankomaten. Akzeptiert werden neben der EC-Karte die meisten Kreditkarten sämtlicher Banken und Geldinstitute. Mit einer EC-Karte kostet die Bargeld-Auszahlung 4,99 Euro.

Aufgestellt hat den Automaten die Firma Euronet (siehe Hintergrund unten). Die ist bekannt, weil sie zum Beispiel auch Geldautomaten in den Häusern der Galeria Kaufhof oder Märkten von Metro, Real und Media-Markt betreibt und für die Versorgung der Kunden mit Bargeld auch in vielen Einkaufszentren sorgt.

Guter Standort

„Wir bringen Bargeld dorthin, wo es gebraucht wird“, sagt Euronet-Pressesprecher Alexander Gerstl zum ungewöhnlichen Automaten-Standort am Großen Kreisel. Der Standort sei untersucht und für gut befunden worden, weil es im Umkreis Bargeld-Bedarf gebe. Gleich gegenüber ist der Messeplatz gelegen, der für die Kasseler Frühjahrs- sowie Herbstmesse und viele weitere Veranstaltungen genutzt wird. Um die Ecke gibt es zwei Fachgeschäfte für Kaminöfen und Motorrad-Bekleidung. Dazu Autovermieter, Gebrauchtwagenhändler, die Kfz-Zulassungsstelle sowie Tankstellen in nächster Nähe.

„Nach unserer Einschätzung wird rund um den Automaten Bargeld gebraucht“, erklärt Gerstl. Dass im Umfeld auch Prostitution betrieben werde, „ist kein Grund für uns, einen Automaten aufzustellen“. Zwar betreibe Euronet auch Geldautomaten in Rotlichtbereichen, „aber das ist nicht unser Fokus“, stellt der Sprecher klar. Denn die Aufstellung eines Bargeld-Automaten sei teuer und rechne sich nur, wenn der Bankomat auch intensiv von Kunden genutzt werde.

Sicherheit im Blick

„Wir achten sehr auf Sicherheit“, erklärt Gerstl. Jeder Automat werde regelmäßig von Sicherheits- sowie Reinigungspersonal inspiziert und müsse ebenso regelmäßig wieder mit Bargeld aufgefüllt werden. Stromversorgung und eine sichere Datenleitung seien weitere Kostenfaktoren. Wie viel Geld Euronet im Durchschnitt für einen Automaten-Standort ausgeben muss, will Gerstl aus Wettbewerbsgründen nicht verraten. Auskunft gibt er aber zu dem Warnhinweis am Automaten, bei einem Angriff werde das Geld vernichtet. „Das Geld wird eingefärbt“, sagt Gerstl, wenn Diebe versuchen, den Automaten zu knacken. Damit sei die Beute für die Täter wertlos.

Auf Sicherheit im Gebäude und rund um den Automaten achtet auch der Hauseigentümer. „Drogendealer, streitsüchtige und betrunkene Personen haben Haus- und Grundstücksverbot“, steht auf Hinweistafeln rund um das Haus Schwanenweg 3 bis 7. „Bei Zuwiderhandlung erfolgt Anzeige, gez. der Eigentümer.“

Hintergrund: 1000 Geldautomaten in Deutschland

Euronet Deutschland ist ein Geschäftsbereich der Transact Elektronische Zahlungssysteme GmbH im bayerischen Martinsried bei München, einer Tochtergesellschaft der Euronet Worldwide Inc. in Leawood, Kansas, USA. In Deutschland betreibt Euronet mit mehr als 1000 Terminals das größte unabhängige Geldautomaten-Netzwerk. In Einkaufsgalerien, Bahnhöfen, SB-Warenhäusern sowie Tank- und Raststationen sorgt das Unternehmen damit für eine permanente und bankenunabhängige Bargeldversorgung. 

Weltweit bietet Euronet zudem Dienstleistungen rund um die Themen Geldautomaten, Kartenausgabe und Geldtransfer. Das Zahlungsnetzwerk umfasst weltweit insgesamt 19 313 Geldautomaten und etwa 69 000 Kassenterminals. Zudem gibt es ein Prepaid-Vertriebsnetzwerk von circa 664 000 Kassenterminals bei etwa 294 000 Einzelhandelsstandorten. Transact gilt als führender Dienstleister mit eigenem Rechenzentrum für Prepaid-Aufladevorgänge von Mobilfunkguthaben und Geschenkkarten. (ach)

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