„Hier ist es gar nicht gruselig“

Wohnen im alten Gefängnis: Der erste Mieter ist eingezogen

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Hell und gemütlich: Pascal Grochol ist der erste Mieter, der in ein Apartment des umgebauten früheren Untersuchungsgefängnisses eingezogen ist.

Unterneustadt. Sein Schlafzimmer war früher eine Zelle, in der Untersuchungshäftlinge sicher so manche Stunde über ihre Straftaten und deren Konsequenzen nachgedacht haben.

Das macht dem 31-jährigen Pascal Grochol aber gar nichts aus.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Kassel ist der erste Mieter, der vergangene Woche Montag in eine der 50 Wohnungen im ehemaligen Gefängnis „Elwe“ in der Unterneustadt eingezogen ist.

An einen Knast erinnerten ihn hier nur die dicken Wände, sagt der Mann, der ein Zweizimmer-Apartment mit Kochnische und Bad auf 36 Quadratmeter gemietet hat. „Hier ist es ganz ruhig, warm und gar nicht gruselig“, sagt der 31-Jährige. „Dieses Backsteinhaus könnte auch früher eine Schule gewesen sein“, sagt der Mann. Er stammt nicht aus Kassel, hat sich aber über die Geschichte der Elwe ausführlich informiert.

Zwar sei in Kassel als Wohngegend immer noch der Vorderer Westen das „Nonplusultra“, sagt Grochol, aber die Unterneustadt hole langsam auf. Man habe hier eine super Bahnanbindung, zudem seien Karlsaue und Innenstadt sehr nah. Der wissenschaftliche Mitarbeiter lässt sich das auch etwas kosten. Für die 36 Quadratmeter zahlt er eine Kaltmiete von 365 Euro, die Warmmiete beträgt 480 Euro.

Sein Apartment befindet sich in dem Kopfbau des Gefängnisses. Diese Wohnungen haben die Bauherren Gotthard Fels und Christopher Posch an Privatpersonen verkauft.

Blick in den Innenhof: Die Fläche soll bis Ende November fertig gestellt sein.

Die zwölf Wohnungen im Flügel an der Hafenstraße hat Posch behalten. Die Wohnungen haben eine Größe von 50 bis 60 Quadratmeter. Der Mietpreis beträgt hier pro Quadratmeter neun Euro kalt.

Am Donnerstag schaute sich eine junge Frau eine 49 Quadratmeter große Wohnung mit Balkon zum Innenhof an. „Der Backstein reizt mich und der Umstand, dass hier eine alte Location ganz neu gemacht wurde“, sagt die Interessentin. Zu viele Wohnungen seien in Kassel heruntergekommen.

Elwe: Im Herbst sollen die Ersten einziehen

Das war ein Reiz

Dass hier früher ein Gefängnis gewesen ist, sagt Bauherr Fels, sei eigentlich ein Bonus beim Verkauf gewesen. „Viele Käufer fanden das spannend.“ Im Gegensatz zu Christopher Posch, der im ehemaligen Freigängerhaus auf dem Areal seine Kanzlei eingerichtet hat und im anderen Flügel ein Boardinghaus mit weiteren Investoren eröffnen wird, hat Fels seine Anteile an der „Elwe“ mittlerweile wieder verkauft. „Es reicht, dass ich hier fünf Jahre rumgelaufen bin.“

Er hofft, dass Ende nächster Woche alle Innenarbeiten im Kopfbau abgeschlossen sind und Ende November die Hoffläche fertig gestellt ist.

Am kommenden Woche kommt in das frühere Gefängnis dann wieder richtig Leben. Laut Fels beziehen dann zehn weitere Parteien ihre Wohnungen.

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