Für kleines Lebensmittelgeschäft werden Nachfolger gesucht

Nahkauf-Laden in der Unterneustadt gibt auf

Muss aus gesundheitlichen Gründen aufhören: Betrieber Hüseyin Turan (links) mit Ortsvorsteher Joachim Schleißing. Der Ortsbeirat und engagierte Anwohner setzen sichdafür ein, das Einkaufs-Angebot im Blücherviertel zu erhalten. Foto:  Schwarz

Kassel. Der kleine Nachbarschaftsladen an der Ecke Blücher- und Körnerstraße könnte in seiner Art einzigartig in Kassel sein, doch nun müssen die Betreiber aus Gesundheitsgründen aufgeben:

Mit tätiger Unterstützung vieler Quartiersbewohner haben Hüseyin und Makbule Turan zehn Jahre lang das Nahkauf-Geschäft betrieben und werden nun Mitte Juni schließen. Der Ortsbeirat und engagierte Unterneustädter sind bemüht, Nachfolger zu finden.

Viele Kunden aus der Nachbarschaft, vor allem Ältere, wissen zu schätzen, dass sie in dem 240-Quadratmeter-Lädchen alles für den täglichen Bedarf bekommen - von frischem Obst und Gemüse über Back- und Haushaltswaren bis zum Schulheft. Es gibt sogar ein breites Bio-Sortiment mit Käse, Eiern, Wurstwaren und Gemüse von regionalen Anbietern wie dem Kirchhof in Oberellenbach und dem Eschenhof in Altenhasungen: Kunden aus dem Viertel haben sich das gewünscht, die Turans haben es organisiert.

Mit dieser flexiblen, kundenorientierten Sortimentsgestaltung konnte sich das Lädchen bisher gegen den Lidl-Markt behaupten, der sich nicht weit entfernt an der Hafenstraße angesiedelt hat. Hinzu kommt, dass mehrere Dutzend treue Kunden den Laden durch ein Abo-System unterstützen: Sie überweisen den Turans monatlich 50 Euro oder mehr vorab als Einkaufsguthaben und schaffen damit Kalkulationsspielraum für die Ladenbetreiber.

Angeregt hatte das seinerzeit der Verein Werkhof Unterneustadt, wo in der vergangenen Woche auch über den bevorstehenden Rückzug der Turans beratschlagt wurde. 30 bis 40 Menschen waren zu der Sitzung gekommen. Nicht wenige Quartiersbewohner decken aus Prinzip ihren gesamten Bedarf bei Turans, damit das Lädchen laufen kann. „Das ist hier für uns schon fast wie eine Familie gewesen“, sagte Makbule Turan.

„Der soziale Aspekt dieses Lädchens ist nicht zu unterschätzen“, sagte Ortsvorsteher Joachim Schleißing. Dem Ortsbeirat sei sehr daran gelegen, dass Nachfolger gefunden werden: „Bei mittlerweile 1000 Menschen im Quartier ist das Kundenpotenzial eigentlich da.“ Wenn sich unternehmerisch denkende Interessenten mit Einzelhandels-Erfahrung fänden, würden sie von den Unterneustädtern unterstützt, sagte Schleißing. Hüseyin Turan ergänzte, er sei bereit, mögliche Nachfolger einzuarbeiten und Tipps für die Sortimentsgestaltung zu geben.

Vermieter des Lädchens an der Blücherstraße sind die Vereinigten Wohnstätten 1889, die im Blücherviertel einige Wohnungen unterhält. Gegenüber der HNA sagte Genossenschaftsvorstand Uwe Flotho: „Uns ist weiterhin wichtig, dass es dort eine Nahversorgung gibt.“ Die 1889 sei für eine Nachfolge in Gesprächen mit mehreren möglichen Anbietern, sei aber offen für jeden weiteren Interessenten, der eine Betriebsidee für den Lebensmittelladen habe. Auch über bauliche Veränderungen sei die Wohnungsgenossenschaft grundsätzlich gesprächsbereit, wenn dies für ein stimmiges kaufmännisches Gesamtkonzept erforderlich sein sollte.

Auf jeden Fall soll es auf Initiative des Ortsbeirats und des Werkhof-Vereins zum Abschluss ein Dankesfest für die Turans geben, bei dem auch die verbliebenen Warenbestände ausverkauft werden. Als Termin dafür ist Samstag, 11. Juni, ins Auge gefasst.

Kontakt: Ortsvorsteher Joachim Schleißing, Tel. 57 66 61, joachimschleissing@web.de

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