Viele Baulücken und Freiflächen

Untersuchung der Uni: In Kassel ist noch Platz für 7500 neue Wohnungen

Grünfläche mit Sportmöglichkeiten: Ein Grundstück nördlich des Struthbachweges (nahe Bombardier) taucht in der Analyse auf.

Kassel. Die Stadt Kassel ist auf Wachstumskurs, der Bedarf an Wohnungen wächst. Eine Analyse der Uni Kassel zeigt, wo diese entstehen könnten.

Die gute wirtschaftliche Entwicklung, das Wachstum der Uni und nicht zuletzt der Flüchtlingszustrom sorgen dafür, dass die Wohnungssuche in Kassel immer schwieriger wird. Um der Situation zu begegnen, haben Studenten des Fachbereichs Architektur- Stadtplanung-Landschaftsplanung der Uni Kassel unter Leitung von Prof. Uwe Altrock den „Stadtentwicklungsplan Wohnen“ erstellt.

Die mit Unterstützung der Stadt erarbeitete Untersuchung listet auf, wo sich Wohnungen und Einfamilienhäuser in der Stadt schaffen lassen – ohne unnötig neue Flächen am Stadtrand zu bebauen.

Die Analyse kategorisiert die potentiellen Bauprojekte nach der Chance ihrer Realisierbarkeit: Von den insgesamt 7546 ausgemachten neuen Wohnungen werden 16 Prozent (1211) als empfehlenswert bewertet. Weitere 51,5 Prozent (3886) seien optional denkbar, wenn der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter steigt. 32,5 Prozent (2449) seien nachrangig zu behandeln, da größere Hindernisse zu erwarten seien.

„Bei unserer Untersuchung geht es allein darum aufzuzeigen, welche grundsätzlichen Möglichkeiten es gibt, Wohnraum zu schaffen. Wir haben im Vorfeld keine eigentumsrechtlichen Fragen zu Grundstücken und Immobilien klären können, da die Stadt diese Daten unter Verschluss hält“, so Prof. Altrock. Auf Basis der Daten könne die Stadt nun aber auf Eigentümer zugehen, um über mögliche Entwicklungsprojekte zu verhandeln. Kein Eigentümer solle sich durch die Analyse unter Druck gesetzt fühlen.

Baulücken/ Freie Flächen

Im Blickpunkt: Die Uni schlägt vor, auf dem Areal des früheren Unterstadtbahnhofs in der Nordstadt Wohnhäuser zu ermöglichen. Die Stadt will nur Gewerbe erlauben. Im Hintergrund das Atelier von Bildhauer Stephan Balkenhol und die Auferstehungskirche. Fotos: Fischer

• Die Uni Kassel hat 428 Baulücken und unbebaute Grundstücke in der Stadt identifiziert. Nach einer Modellrechnung ließen sich auf diesen 2809 Wohnungen bauen. Das größte freie Grundstück befindet sich nördlich des Struthbachweges (Foto unten) in der Nordstadt, wo 141 Wohnungen Platz finden könnten. An der Holländischen Straße gibt es besonders viele Baulücken. Meist befinden sich die Grundstücke in Privathand, die Stadt hat also nur indirekt Einfluss auf eine Entwicklung. Allerdings lassen sich auf den Flächen relativ schnell Wohnungen bauen, da die Infrastruktur schon vorhanden ist.

Entwicklungsflächen

• Es wurden 70 Entwicklungsflächen ausgemacht, die bei moderater Dichte Platz für 2575 Wohnungen bieten. Dabei handelt es sich zum einen um größere Flächen, die am Siedlungsrand liegen und aktuell meist landwirtschaftlich genutzt werden. Aber auch um brachliegende Gewerbe- und Industrieflächen, die umgenutzt werden könnten. Neubaugebiete, die bereits in der Realisierung sind (Am Feldlager) oder (Vor dem Osterholz) wurden nicht mitgezählt. Anders das geplante Neubaugebiet in Nordshausen am Rand der Dönche, das noch in einer frühen Phase ist.

Ehemalige Industrieflächen wie den Unterstadtbahnhof in der Nordstadt oder das Henschelgelände in Rothenditmold empfehlen die Planer der Uni auch für Wohnzwecke zu nutzen. Entgegen der Pläne der Stadtverwaltung, den Unterstadtbahnhof nur für gewerbliche Nutzungen freizugeben, könnten dort bei einer Mischnutzung 450 Wohnungen entstehen.

Auf dem Henschelgelände stünden trotz der Mieterbelegung durch Kultur- und Sportvereine 90 Prozent der ehemaligen Fertigungshallen leer. Auf dem Areal ließen sich 140 Wohnungen realisieren.

Bebauung von Gärten

• Unter dem Begriff „Nachverdichtung im Hinterland“ fasst die Uni Kassel großzügige Grundstücke zusammen, die in privater Hand sind und meist als Gärten genutzt werden. 155 zusätzliche Wohnungen ließen sich in einem moderaten Szenario schaffen, wenn in diesen Gartengrundstücken gebaut würde. Weil es viele Hindernisse und Widerstände bei solchen Bebauungen gebe, sei eine Realisierung nur bei angespannten Wohnungsmarkt zu forcieren.

Bei der Untersuchung wurden nur Grundstücke ausgewählt, die auch nach einer Bebauung mindestens 35 Meter unbebaute Grundstückstiefe (Garten) bieten würden.

Aufstockung und Ausbau

• Ermittelt wurden 60 Gebäude, die sich durch Ergänzung von ein bis zwei Stockwerken erweitern ließen. Dadurch könnten 452 neue Wohnungen entstehen. Für Kassel sei diese Variante attraktiv, da vor allem in der Innenstadt unterschiedliche Gebäudehöhen in Häuserzeilen anzutreffen seien. Hier könne eine Anpassung auch das Stadtbild aufwerten. Aufstockungen, die den Einbau eines Fahrstuhls erforderlich machen würden (ab fünf Geschossen) wurden außer acht gelassen.

Anbauten

• An 45 Häusern ließen sich durch Anbauten insgesamt 141 Wohnungen schaffen. Dabei wurden insbesondere Erweiterungen von Einfamilienhäusern in den Garten nur sehr zurückhaltend in der Analyse berücksichtigt.

Abriss und Neubau

• Es wurden in Kassel 143 Gebäude identifiziert, die einen Abriss und anschließenden Wohnhausneubau als lohnenswert erscheinen lassen. Insgesamt könnten so 1414 Wohnungen entstehen.

Es handelt sich um Immobilien in einem schlechten Zustand oder solche, die im Vergleich zur umliegenden Bebauung deutlich kleiner sind. In diese Gruppe fallen auch Garagenzeilen, die für Wohnprojekte abgerissen werden könnten. Weil im Gegenzug aber teilweise Tiefgaragen gebaut werden müssten, sind die Kosten zum Teil sehr hoch.

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