Vater zwang Tochter zur Prostitution
Das Martyrium dauerte etwa 16 Jahre. Anna P. (Name von der Redaktion geändert) war sechs Jahre alt, als sie von ihrem Vater zum ersten Mal als Sexobjekt missbraucht wurde. Am Anfang habe der Mann seine Tochter nackt fotografiert und die Bilder verkauft, sagt Jörg Stein vom Weißen Ring Kassel.
Schnittwunden zugefügt
Mit der Zeit wurden die Misshandlungen schlimmer: Im nächsten Schritt durften Erwachsene das Mädchen anfassen, der Vater ließ sich das bezahlen. Anschließend wurde das Mädchen zur Prostitution gezwungen. Auch der Vater verging sich an der Tochter. Um diese gefügig zu machen, habe er ihr Schnittwunden an den Armen und im Gesicht zugefügt, die bis heute sichtbar sind, sagt Stein.
Durch gesamte Kindheit
Der sexuelle Missbrauch zog sich durch die gesamte Kindheit und Jugend von Anna P., etwa bis sie 22 Jahre alt war. Zunächst vertraute sie sich niemandem an. Ihre Bemühungen, eine Ausbildung zu machen und ein „normales“ Leben zu führen, scheiterten aber. Die Frau sei durch ihre psychischen Probleme, die sie aufgrund der Misshandlungen habe, immer wieder zurückgeworfen worden. Erst vor zwei Jahren, als Anna P. mittlerweile 38 Jahre alt war, erstattete sie gegen ihren Vater Anzeige und nahm psychologische Hilfe in Anspruch.
Mit Unterstützung des Weißen Rings habe die Frau auch einen Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) gestellt, der bewilligt wurde. Aufgrund der Misshandlungen bekommt Anna P. nach dem OEG eine Rente von monatlich 1000 Euro. Jörg Stein geht davon aus, dass das Opfer diese wohl bis zum Lebensende beziehen wird.
Bewährungsstrafe
Da Anna P. zwischenzeitlich auch in Bayern lebte, musste sich dort ihr Vater auch vor Gericht verantworten. Laut Stein sei der Mann allerdings nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das habe unter anderem daran gelegen, dass verschiedene Straftaten bereits verjährt gewesen seien. (use)