Mann schildert Ereignisse 2010 komplett anders als Studentin

Prozess wegen Vergewaltigung: Angeklagter spricht von einvernehmlichem Sex

Kassel. Für den Mann war es ein „romantisches Abenteuer“, für die Frau eine brutale Vergewaltigung: Unterschiedlicher könnten die Schilderungen der beiden Beteiligten am Geschehen im Juli 2010 vor der 1. Strafkammer des Landgerichtes nicht ausfallen.

Hier muss sich derzeit ein 46-jähriger Nigerianer wegen Vergewaltigung einer damals 19-jährigen Frau verantworten. Oberstaatsanwältin Andrea Boesken warf ihm in ihrer Anklage vor, vor mehr als fünf Jahren in der Ein-Zimmer-Wohnung der Frau an der Rothenditmolder Straße die 19-Jährige brutal vergewaltigt zu haben, obwohl die sich gewehrt und den Mann immer wieder zum Aufhören aufgefordert habe. Schließlich sei es der Frau gelungen, den Mann aus der Wohnung zu drängen.

Der Angeklagte lebt seit vielen Jahren in Deutschland und spricht vermutlich gut Deutsch. Gleichwohl kommunizierte er vor Gericht nur auf Englisch, daher musste ein Dolmetscher hinzugezogen werden. Weil der Angeklagte beim ersten Prozessversuch mit dem damaligen Übersetzer nicht klargekommen war, musste die Verhandlung ausgesetzt werden.

„Einvernehmlicher Sex“

In seiner ausschweifenden Aussage sprach der Mann von einvernehmlichem Sex ohne Geschlechtsverkehr und einem „klassischen romantischen Abenteuer“. Die Frau habe für ihn ein Lied komponiert und gesungen und mit ihm getanzt. Eine Beziehung habe sich angebahnt.

Nichts davon sei wahr, sagte die inzwischen 24-jährige Studentin vor Gericht aus. Der Mann habe sie auf der Straße angesprochen und gesagt, er könne ihr bei einer Bewerbung für einen besser bezahlten Job bei einem für VW tätigen Unternehmen helfen. Deshalb habe sie ihn in ihre Wohnung gelassen. Dort sei es zum Geschlechtsverkehr gegen ihren immer wieder geäußerten Willen gekommen.

Eine Oberärztin, die die Frau unmittelbar nach den Ereignissen gynäkologisch untersucht hatte, konnte als Zeugin nicht mit Sicherheit sagen, ob es zu einer Penetration gekommen war oder nicht. Allerdings habe die Frau über starke Schmerzen im Unterleib geklagt.

Der Angeklagte war drei Tage nach dem Geschehen in eine Falle der Polizei getappt: Die 19-Jährige hatte ihn angerufen und zu einem erneuten Treffen gebeten. Als er kam, warteten schon die Beamten auf ihn.

Vor Richter Dreyer legte der Angeklagte ein etwas pathetisches Statement ab: Vergewaltigung sei eines der größten Verbrechen, das man einem Menschen antun könne, es gebe keine Entschuldigung dafür. Er selbst würde nie eine Frau vergewaltigen.

Das Ziel, das Verfahren an einem Verhandlungstag zu beenden, schaffte die 1. Strafkammer nicht. Der Prozess wird nun am Freitag, 18. Dezember, vermutlich mit den Plädoyers fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.