Unschuldig im Knast? -  Angeklagter Lehrer beteuert erneut Unschuld

Kassel. Im Vergewaltigungsprozess gegen den 52-jährigen Biologielehrer Horst Arnold hat der Angeklagte am Mittwoch vor dem Kasseler Landgericht erneut seine Unschuld beteuert. Gleichzeitig kommen immer mehr Ungereimtheiten ans Licht.

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Er habe seiner Kollegin, der 46 Jahre alten Biologielehrerin Heidi K., nichts getan, sagte Horst Arnold. Wie berichtet, wurde Horst Arnold vor fast zehn Jahren, am 24. Juni 2002, vom Landgericht Darmstadt zu fünf Jahren Gefängnis wegen Vergewaltigung verurteilt. Es stand Aussage gegen Aussage, wie im Kachelmann-Prozess. Das Darmstädter Gericht hatte der Frau geglaubt. Horst Arnold saß die volle Strafe ab und beteuerte immer wieder seine Unschuld.

Der Prozess wird nun vor dem Kasseler Landgericht neu aufgerollt. Ausführlich kam am Mittwoch eine weitere unglaubliche Geschichte zur Sprache, die Heidi K. aufgetischt hatte. Sie sei an einer Schule bei Darmstadt vergiftet worden und hatte deswegen Anzeige erstattet. Sich bei der Frankfurter Gerichtsmedizin deswegen untersuchen zu lassen, lenhte sie aber ab.

Stattdessen ging Heidi K. in die Uni-Klinik nach Heidelberg. Dort stellte man leichte Spuren von Antidepressiva im Blut und Urin fest, sonst aber nichts. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein. Heidi K. erzählte aber, es gebe einen Prozess.

Der Leiter der Schule berichtete vor Gericht, Heidi K. habe sich als seine Stellvertreterin ständig auf Erlasse berufen, die es gar nicht gab. Sie sei kleinkariert gewesen und habe die Kollegen verprellt: "Es hat einen richtigen Aufstand gegeben." In ihrem Büro habe sich Heidi K. regelrecht verschanzt. Hinter die Eingangstür habe sie einen großen Schreibtisch gerückt, an einer zweiten Bürotür habe sie den Griff abmontiert. Die Vergiftungsgeschichte bezeichnete der Schulleiter als "völlig absurd".

Der Prozess wird am nächsten Dienstag mit den Plädoyers fortgesetzt.

Von Frank Thonicke

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