Abwasserleitung verlief von Hirschhagen über Kaufungen zur Fulda

Starke Verunreinigung: Anwohner sorgen sich wegen alten „Kasseler Kanals“

Fordert Aufklärung: In Oberkaufungen verläuft der alte Abwasserkanal von der Munitionsfabrik Hirschhagen zur Fulda über das Gelände „Auf der Wiebelsburg“. Reinhard Döll zeigt einen alten Schacht, der aus der Wiese ragt. Fotos: Schindler

Kaufungen / Hessisch Lichtenau. Nachdem bei den A 44-Tunnelarbeiten bei Eschenstruth eine starke Bodenverunreinigung im Bereich des alten „Kasseler Kanals" gefunden wurde, fragt sich so mancher Eigentümer, ob auch sein Grundstück betroffen ist.

Nun fordert Reinhard Döll, dessen Parzelle „Auf der Wiebelsburg“ in Oberkaufungen von der alten Kanalleitung unterquert wird, Aufklärung von der Gemeinde und den zuständigen Stellen.

Offene Fragen: Der Schacht zum Kasseler Kanal wurde teilweise verfüllt. Ob und wie hoch der Abwasserkanal an dieser Stelle belastet ist, ist nicht bekannt.

Im Zuge der Arbeiten für den Tunnel Hirschhagen war in diesem Jahr in einem eng begrenzten Bereich bei Eschenstruth eine hohe Belastung von 6200 Mikrogramm pro Liter (der Grenzwert liegt bei 5 Mikrogramm) mit Nitrotoluolen gefunden worden. Dabei handelt es sich um giftige Rückstände aus der Sprengstoffproduktion in Hirschhagen während des Zweiten Weltkriegs.

Der „Kasseler Kanal“ wurde 1940 gebaut, um hochbelastetes Abwasser statt in die Losse in die Fulda zu leiten. Der 23 Kilometer lange Kanal führt vom Hessisch Lichtenauer Stadtteil Hirschhagen entlang der B 7 über Helsaer Gebiet, quer durch Kaufungen und weiter nach Heiligenrode und Sandershausen, wo er in die Fulda mündet. Der alte Kanal ist längst stillgelegt und teilweise entfernt. In vielen Bereichen, wie etwa „Auf der Wiebelsburg“ in Kaufungen, liegen die Rohre aber noch im Boden. Dort kann man auch einen alten Schacht sehen, der aus der Wiese ragt. Sind die Rohre und das Erdreich belastet, will Reinhard Döll wissen, der sich darüber ärgert, dass im Grundbuch zwar eine „Wasserleitung“ eingetragen gewesen sei, aber niemand über die Brisanz des Kanals Aufklärung gebe.

Das Regierungspräsidium (RP) Kassel als zuständige Umweltbehörde sieht „keine Veranlassung, etwas zu unternehmen“, teilte RP-Sprecher Michael Conrad der HNA auf Anfrage mit. Man habe auf der gesamten Kanalstrecke exemplarische Untersuchungen vorgenommen. „Dabei wurden keine Konzentrationen gemessen, die es nötig machen, irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen.“ Nur in Eschenstruth sei eine sehr hohe Belastung gefunden worden, dort habe man entsprechend reagiert.

„Solange das Rohr im Boden liegt, ist es unschädlich“, meinte der RP-Sprecher. „Wenn man es allerdings ausgräbt - etwa bei Bauarbeiten -, dann muss man es entsorgen.“ Zuständig sei dabei der Grundstückseigner. Er könne sich beim Umweltministerium über die Entsorgung beraten lassen; bei der Gemeinde könne man erfahren, wo genau das Rohr verläuft.

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