Menschen müssen qualifiziert werden

Viele Flüchtlinge leben von Hartz IV: Drei Viertel sind ohne Ausbildung

Rheinmetall-Flüchtlingswerkstatt in Kaufungen-Papierfabrik: Das Unternehmen mit Standort in Kassel bildet dort in einem bundesweiten Pilotprojekt acht Flüchtlinge mit Bleibeperspektive zu Kfz-Mechatronikern und 20 weitere zu Schweißern für den Arbeitsmarkt aus. Foto: Koch

Kassel. Im Juni 2016 waren laut Bundesagentur für Arbeit in Deutschland annähernd 300.000 Geflüchtete als Arbeitsuchende gemeldet.

Von ihnen waren 131.000 arbeitslos. Die anderen nehmen an Integrationskursen oder arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil. Oder arbeiten bereits, suchen aber nach einem anderen Job.

76 Prozent der arbeitsuchende Flüchtlinge sind Männer, nahezu die Hälfte ist jünger als 30 Jahre. Von ihnen hat jeder Vierte keinen Schulabschluss, drei Viertel haben keine Berufsausbildung. Immerhin: Jeder Vierte kann die Hochschulreife vorweisen, und neun Prozent haben eine akademische Ausbildung. Laut Einschätzung der Bundesarbeitsagentur kommen von den Geflüchteten 58 Prozent für Helfertätigkeiten, 15 Prozent für Fachkraft- und Spezialistentätigkeiten und vier Prozent für Expertentätigkeiten in Frage.

Die Auswirkungen der Fluchtmigration auf dem Arbeitsmarkt würden zunehmend sichtbar, erklärt Silke Sennhenn, Sprecherin der Arbeitsagentur Kassel. Hilfebedürftigkeit und Arbeitslosigkeit von Personen aus den acht zugangsstärksten nichteuropäischen Asylherkunftsländern steige im Vorjahresvergleich merklich. Die Beschäftigung wachse jedoch nur moderat.

Weil Asylverfahren beschleunigt bearbeitet würden und viele Geflüchtete ihre Sprachkurse oder Qualifizierungsmaßnahmen abgeschlossen hätten, stünden sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, der in guter Verfassung sei. Es gebe freie Stellen und Bedarf an Arbeitskräften. Wegen mangelnder Sprachkenntnisse und fehlender Berufsausbildung kämen für Geflüchtete oft aber nur Beschäftigungsmöglichkeiten in einfachen Jobs in Frage, etwa in der Arbeitnehmerüberlassung oder im Reinigungs- sowie im Gastgewerbe.

Hintergrund: Hartz IV für alle Hilfebedürftigen

In Deutschland hat jeder Erwerbsfähige und Hilfebedürftige im Alter von 15 Jahren bis zum Renteneintritt zwischen 65 und 67 Jahren Anspruch auf Grundsicherungsleistungen. Die bekommt, wer seinen Lebensunterhalt für sich und seine Angehörigen nicht aus eigener Erwerbstätigkeit oder sonstigen Einnahmen bestreiten kann.

 Asylbewerber können Hartz IV erst dann beantragen, wenn sie als Flüchtling anerkannt wurden. Menschen aus dem EU-Ausland haben einen Anspruch auf Sozialleistungen, wenn sie sich mindestens sechs Monate in Deutschland aufgehalten haben. Der Hartz IV-Regelsatz wurde Anfang dieses Jahres leicht abgehoben und liegt für einen Alleinstehenden bei 404 Euro, für Partner und Angehörige in der Bedarfsgemeinschaft bei 364 Euro. Von den Kommunen werden zusätzlich die Kosten für Miete und Heizung übernommen.

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