Autohändler informieren über Verträglichkeit des Biosprits, geben aber keine Garantie

Ratlose Tanker: Kasseler Autohändler informieren über E10-Verträglichkeit

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Er greift zum alten Super: Michael Hupperich aus Niestetal weiß aus früheren Versuchen mit Bioethanol, dass der Motor seines Autos den Alkohol im Sprit nicht verträgt.

Kassel. Der Biosprit E10 lässt die Telefonleitungen bei den Kasseler Autohäusern heiß laufen. Viele Autofahrer sind unsicher, ob sie den neuen Kraftstoff tanken dürfen und wünschen sich von ihrem Händler Klarheit.

Wie eine HNA-Umfrage bei einem Dutzend Autohäusern ergeben hat, bekommen die Kunden zwar eine klare Antwort, doch viele bleiben trotzdem skeptisch.

„Jeder zweite Anrufer hat eine Frage zu E10“, berichtet Monique Weigel. Sie arbeitet beim Audi-Zentrum Kassel in der Telefonzentrale. Täglich gingen zehn bis 15 Anrufe zum Thema ein. Ihr Tipp: Damit es schnell geht, sollten die Kunden die genauen Fahrzeugdaten parat haben. Das bestätigt Melissa Eckhardt vom Autohaus Dürkop: „Die meisten Auskünfte dauern nur eine Minute.“ Stefan Dietl vom Volkswagen-Zentrum sagt: „Das geht ratzfatz.“

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Wie allen Händlern liegt dem Volvo-Autohaus Hetzler eine Liste des Herstellers vor, welche Modelle E10 tanken dürfen und welche nicht. „Die meisten Kunden sind damit zufrieden“, sagt Werkstattmeister Giuseppe La Spina. Allerdings höre er oft, dass die Autofahrer so lange weiter Super-Kraftstoff tanken wollen, wie es ihn noch gibt.

Viele Autohäuser machen ihren Kunden klar, dass die Information vom Hersteller stammt, sie selbst aber keine Garantie übernehmen. „Das können wir gar nicht, weil wir nicht wissen, was langfristig mit dem Motor passiert“, sagt Erika Unterweger vom Opel-Autohaus Bibbig. So hält es auch Citroen-Heller, aber die Firma gibt zumindest ein Schreiben des Autobauers an die Kunden weiter, sagt Mitarbeiterin Christine Haas. Bei vielen anderen Händlern gibt es nichts Schriftliches.

Skepsis auch bei Mitarbeitern

„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt Heiko Roth vom Autohaus Wolfgang Nowak (Suzuki, Mazda und Mitsubishi). Die Hersteller geben ihre Modelle für E10 frei, doch es bleibe selbst bei Werkstattmitarbeitern eine Skepsis. Roths Empfehlung: Weiter Super fahren.

Vorsichtiger drückt sich Ullrich Seese von der Mercedes-Niederlassung aus: „Aus den bisherigen Erfahrungswerten sind keine Schäden zu erwarten“, sagt der Assistent der Serviceleitung. Doch über langfristige Auswirkungen von E10 könne man kaum etwas sagen.

Auch Serviceleiter Marco Knierim vom Autohaus Wahl (Ford, Renault und Dacia) fragt sich, was E10 gerade mit älteren Motoren anstelle. Er gebe zwar die Angaben des Herstellers weiter, „aber wir empfehlen E10 nicht unbedingt, zumal der Verbrauch ja steigt.“

Dieser Punkt, der im Unterschied zur Schädlichkeit des E10 unstrittig ist, stößt auch Doris Goede vom Autohaus Coester (Fiat, Lancia, Alfa Romeo) auf. „Wo ist da die Umweltverträglichkeit?“, fragt die Mitarbeiterin, „das ist doch Augenwischerei.“

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