Bode liefert Türen, Henschel die Getriebe und Xperion ultraleichte Wasserstofftanks

Viele Teile für den ersten Öko-Zug kommen aus Kassel

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Weltneuheit aus Salzgitter mit viel Technik aus Kassel: der Coradia iLint. Er ist der erste mit einer Brennstoffzelle betriebene Zug der Welt. Im kommenden Jahr beginnt in Niedersachsen der Praxistest. 

Kassel. Der erste mit Wasserstoff betriebene Zug der Welt, der Coradia iLint, wird bei Alstom in Salzgitter montiert, aber wesentliche Komponenten stammen aus Kassel.

Das Getriebe des derzeit modernsten und umweltfreundlichsten Schienenfahrzeugs baut das Traditionsunternehmen Henschel, und die superleichten und hochfesten Wasserstofftanks aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff steuert die Xperion GmbH im Industriepark bei. Die Batterien kommen auch aus Hessen und zwar von der Akasol GmbH aus Darmstadt. 

Natürlich darf Bahntechnik-Hersteller Bode bei dem Zukunftszug nicht fehlen. Die Kasseler Spezialisten liefern die intelligenten Türen, die durch eine neuartige, erstmals in diesem Bereich eingesetzte Sensortechnik gesteuert werden. Mit ihr sind sogar Fahrgastzählungen und der Ticketverkauf möglich. Bislang verwendete Drucktaster und Lichtschranken sowie Schaltleisten und -matten könnten in wenigen Jahren passé sein. Das neue Produkt aus Kassel ist nach Hersteller-Angaben nicht nur sicherer, sondern auch komfortabler, wartungsfreundlicher und kommt bei der Herstellung mit weniger Material aus.

Auch in Kassel

„Das hat kein anderer Anbieter“, erklärt Geschäftsführer Thomas Giebisch. Er verantwortet die Sparte Bahntechnik der Bode-Gruppe (siehe auch Hintergrund). In Kassel und Berlin verkehren in einem Feldtest bereits je eine Straßenbahn mit den nachgerüsteten, neuen Türen. Laut Giebisch besteht ein Riesenmarkt für die neue Technologie aus Kassel. Nach seiner Einschätzung dürften in den kommenden Jahren Tausende von Schienenfahrzeugen nachgerüstet werden.

Bode beschäftigt in Kassel 670 Mitarbeiter. Für sie gilt eine Beschäftigungssicherung bis 2020. Als Gegenleistung arbeiten die Beschäftigten eine Stunde pro Woche unentgeltlich. Zum Beschäftigungs- und Standortsicherungspakt gehören laut Giebisch auch weitreichende Investitionszusagen. So soll die Produktion komplett umgekrempelt werden. Außerdem sollen neue Gebäude errichtet werden. Konkrete Pläne würden wahrscheinlich im Laufe des Jahres vorgestellt, erklärte der Bahntechnikchef.

Die neuen Brennstoffzellenzüge werden – die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt vorausgesetzt – ab 2017 im Raum Bremerhaven - Cuxhaven - Buxtehude eingesetzt, später vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auch im Taunus auf den Strecken Königstein - Frankfurt sowie Bad Soden - Frankfurt. Auch in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sollen die neuen, sauberen Züge zum Einsatz kommen.

Vom Wasserdampf abgesehen sind sie emissionsfrei. Motorengeräusche entfallen ebenfalls bei dem Hightech-Zug.

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